Per Anhalter an deutsche Küsten: Auf Mikroplastik-Partikeln aus Nord- und Ostsee haben Forscher erstmals potenziell krankmachende Bakterien nachgewiesen. Die Keime der Gattung Vibrio können Durchfall und Entzündungen auslösen und profitieren vor allem von sommerlichen Hitzewellen. Auf dem Mikroplastik können sie sich verbreiten und möglicherwiese sogar anreichern, wie die Forscher berichten.
Mikroplastik findet sich mittlerweile fast schon überall: Die winzigen Kunststoffpartikel schwimmen in Rhein, Donau und anderen Flüssen und Seen, aber auch in den Ozeanen und sogar in Getränken, Honig und Salz.
Schon länger ist bekannt, dass zumindest einige Organismen von den für die Tierwelt schädlichen Mikroplastik-Teilchen profitieren: Bakterien, Pilze und Kleinstalgen können auf der Oberfläche der Partikel Biofilme bilden und so geschützt unter einer Schleimschicht wachsen. Die Zusammensetzung dieser Biofilme variiert dabei abhängig von der Beschaffenheit der Oberfläche und dem umgebenden Wasser.
Wasserproben aus Nord- und Ostsee
Ob auf dem Mikroplastik der Nord- und Ostsee auch potenziell krankmachenden Keime der Gattung Vibrio wachsen, haben nun Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf Helgoland und sein Team untersucht. Zu den Vibrio-Bakterien gehört der Cholera-Erreger Vibrio cholerae, aber auch weitere Keime, die Durchfallerkrankungen oder schwere Entzündungen hervorrufen können