Und diese Zahl der Austritte könnte sogar noch stark unterschätzt sein: Die Vorschriften, ab welcher Größe ein Leck gemeldet werden muss, seien in den Bundesstaaten unterschiedlich, erklären die Wissenschaftler. So sind in North Carolina bereits 42 in die Umwelt freigesetzte Gallonen meldepflichtig, in New Mexico dagegen erst Austritte von mehr als 120 Gallonen Flüssigkeit. Kleinere Lecks fallen daher in einigen Bundesstaaten schlicht durch das Raster.

Speichertanks für verschmutztes Wasser, das aus dem Untergrund wieder hochgepumpt wurde. An solchen Tanks traten viele der Lecks auf. © Doug Duncan/ USGS
Viel höher als bisher kalkuliert
Doch selbst wenn man dies außer Acht lässt, ist die Zahl der Fracking-Leckagen damit deutlich höher als es die US-Umweltbehörde EPA bisher kalkulierte. Diese ging nur von 457 Lecks in sechs Jahren aus, so die Wissenschaftler. Der Grund dafür: Die EPA berücksichtigt nur die Lecks beim Fracken selbst, nicht aber den gesamten Ablauf der unkonventionellen Öl- und Gasförderung.
„Es ist aber wichtig, Leckagen in allen Stadien der Fracking-Förderung zu kennen, denn dazu gehört auch der Transport von Materialien zu und von den Standorten, sowie die Lagerung der Stoffe vor Ort“, erklärt Patterson. „Nur wenn man alle Stadien untersucht, kann man das Risiko für solche Austritte verstehen.“
Speichertank und Pipeline
Tatsächlich ergaben die Auswertungen, dass die meisten Austritte nicht bei der Gas-und Ölförderung selbst, sondern durch undichte Speichertanks oder Lecks in Leitungen verursacht wurden. Längst nicht immer war daran das Material oder die Geräte schuld: Bei immerhin rund 700 Fällen handelte es sich um menschliches Versagen. Bei rund 4.000 weiteren Fällen allerdings ist die genaue Ursache bis heute ungeklärt.
Unter den freigesetzten Substanzen waren neben Wasser vor allem Fracking-Flüssigkeit, Erdöl und eine Mischung aus Öl und Salzwasser, wie die Auswertung ergab. Aber auch verschiedene Chemikalien sowie Diesel und Öle, die zum Betreiben der Pumpen und Maschinen benötigt wurden, traten bei den Leckagen häufig aus. In vielen Fällen kam es dabei zur Verunreinigung von Gewässern oder dem Grundwasser.
Erste drei Jahre sind am gefährlichsten
Bei der Analyse der zeitlichen und räumlichen Verteilung der Lecks stellten die Wissenschaftler zwei klare Trends fest: Zum einen ist das Risiko für eine Leckage oder einen größeren Austritt in den ersten drei Betriebsjahren einer Fracking-Anlage am höchsten. Dies liegt daran, dass in dieser Zeit nicht nur die Anlagen errichtet werden, sondern dass in dieser Zeit auch die Fördermengen am größten sind, wie die Forscher erklären.
Zum anderen zeigte sich, dass sich Unfälle und Lecks an bestimmten Standorten häuften. Es könnte sich demnach lohnen, Standorte nach einem gemeldeten Austritt unter besondere Beobachtung zu stellen, um systematische Fehler oder Mängel zu finden, meinen Patterson und ihre Kollegen.
„Analysen wie diese sind wichtig, um das Risiko für die Wasserressourcen und die menschliche Gesundheit besser einzuschätzen und bekämpfen zu können“ betont Kate Konschnik von der Harvard Law School. Zudem helfe diese Information, die Meldepflichten künftig zu verbessern und zu vereinheitlichen. (Environmental Science & Technology:, 2017; doi: 10.1021/acs.est.05749)
(Duke University, 22.02.2017 – NPO)
22. Februar 2017