Verändertes Zeitempfinden: Zweisprachig aufgewachsene Menschen schätzen die Dauer von Ereignissen je nach Situation unterschiedlich ab. Entscheidend dabei ist, welche Sprache sie zuvor gehört haben. Das zeigt nun ein Experiment. Dass Sprache unser Zeitgefühl beeinflussen kann, sei ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich Sprache auf unsere Wahrnehmung und unser Denken auswirke, schreiben die Forscher.
Sprache ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Sie verbindet Menschen und hilft, sich miteinander zu verständigen. Doch Sprache kann noch viel mehr als das. Als Teil des kulturellen Gedächtnisses spiegelt sie das Wissen ganzer Bevölkerungsgruppen wider. Zugleich prägt sie die Wahrnehmung und das Denken jener, die sie sprechen – und verändert dabei sogar nachhaltig das Gehirn.
Wie weit dieser Effekt reicht, zeigt sich besonders deutlich bei Menschen, die zweisprachig aufwachsen. So verarbeiten Zweisprachige die Laute der verschiedenen Sprachen in zwei komplett getrennten Bereichen, zwischen denen sie flexibel wechseln können. Dadurch klingen Laute und Silben für sie jeweils leicht unterschiedlich – je nach dem, welche Sprache sie gerade erwarten zu hören.
Wie viel Zeit ist vergangen?
Doch nehmen bilinguale Menschen je nach Sprachkontext nur Klänge anders wahr, oder beeinflusst die Sprache bei ihnen auch andere Bereiche der Wahrnehmung? Wissenschaftler um Emanuel Bylund von der Universität Stockholm haben dies nun am Beispiel von Zeit untersucht.