Bebengefahr eingeengt: Das große Erdbeben vor den Toren Istanbuls ist überfällig – und sein Epizentrum wird wahrscheinlich direkt südöstlich der Stadt liegen. Darauf deutet eine neue Auswertung von Erdbebendaten hin. Für die Millionenmetropole ist dies gut und schlecht zugleich. Denn ein Großteil der Erschütterungen wird wahrscheinlich nach Osten abgeleitet, dafür aber bleibt kaum Vorwarnzeit, wie die Forscher im „Geophysical Journal International“ berichten.
Istanbul sitzt auf einer seismischen Zeitbombe: Nur rund 20 Kilometer südlich der Millionenstadt verläuft ein Arm der Nordananatolischen Verwerfung, einer aktiven tektonischen Störung. In den letzten Jahrzehnten gab es dort mehrfach starke Erdbeben, deren Epizentren immer weiter Richtung Westen wanderten. Seismologen prognostizieren, dass das nächste Erdbeben der Stärke 7 und höher im Marmarameer erfolgen könnte – nur wenige Kilometer von Istanbul entfernt.
Doch wo genau wird sich dieses Beben ereignen? Für die Stadt ist diese Frage entscheidend, denn sie bestimmt, wie viel Vorwarnzeit sie hat und wie stark die Erschütterungen sein werden. Um das zu klären, haben Marco Bohnhoff vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam und seine Kollegen Daten der beiden großen türkischen Erdbeben-Messnetze und Messdaten aus dem GFZ-Plattenrandobservatorium ausgewertet.
Epizentrum im östlichen Marmarameer
Das Ergebnis: Am wahrscheinlichsten ist es, dass das nächste große Erdbeben im östlichen Teil des Marmarameers auftreten wird. Denn dort hat es in der Vergangenheit kaum Untergrundbewegungen gegeben. Dies deutet darauf hin, dass die Erdplatten in diesem Teil der Verwerfung komplett ineinander verhakt sind – und dass die Spannung im Untergrund besonders hoch ist, wie die Forscher erklären.