Drei auf einen Streich: Eine kleine Phosphorverbindung könnte die entscheidende Voraussetzung für das erste Leben auf der Erde gewesen sein. Denn diese Chemikalie war imstande, gleich drei wichtige Biomoleküle zu synthetisieren: Nukleotide als Vorläufer von RNA und DNA, Peptide als Proteinvorstufen und Lipide für die Hüllmembranen der ersten Zellen. Damit war das Phosphorodiamidat genannte Molekül möglicherweise der Schlüssel für die Entwicklung der ersten Zellen.
Klar ist: Irgendwann vor gut 3,5 Milliarden Jahren müssen auf der Erde die ersten lebenden Zellen entstanden sein. Doch wo und wie dies geschah, ist bis heute rätselhaft. So könnten zwar die ersten RNA- und DNA-Bausteine mit Hilfe von Blitzen gebildet oder von Kometen auf die Erde gebracht worden sein. Wie aber aus diesen Bausteinen dann die kettenförmigen Erbmoleküle wurden und wie die ersten Proteine aus Aminosäuren entstanden, ist genauso unklar wie die Bildung der ersten Zellhüllen aus Lipiden.
Hindernis Phosphorylierung
Einer der Gründe dafür: Alle diese Biomoleküle benötigen eine spezielle chemische Reaktion für ihre Bildung, die sogenannte Phosphorylierung. Alle dafür in Frage kommenden Reaktionspartner jedoch hätten nur bei einer dieser drei Grundklassen der Lebensmoleküle funktioniert oder aber sie benötigten sehr spezielle, nicht mit der Ursuppe zu vereinbarende Umweltbedingungen.
„Es ist daher schwer vorstellbar, wie diese sehr unterschiedlichen Reaktionsprozesse an einem Ort hätten stattfinden sollen, um die ersten primitiven Lebensformen zu bilden“, erklärt Ramanarayanan Krishnamurthy vom Scripps Research Institute in La Jolla. Sehr viel naheliegender wäre es, dass es damals in der Ursuppe ein Molekül gab, das alle drei Stoffklassen phosphorylieren konnte. Doch einen solchen „Alleskönner“ hat man bisher vergebens gesucht.