Überraschender Fund: In Saudi-Arabien haben Forscher das älteste Homo sapiens-Fossil außerhalb Afrikas und der Levante entdeckt. Der rund 90.000 Jahre alte Fingerknochen belegt: Unsere Vorfahren verließen Afrika früher und kamen dabei weiter als es die gängige Theorie besagt. Der Fund könnte zudem darauf hindeuten, dass die frühen Menschen Afrika über zwei unterschiedliche Routen verließen – eine nördliche über die Levante und eine südliche nach Arabien hinein.
Lange schien klar, dass die ersten anatomisch modernen Menschen vor rund 200.000 Jahren in Afrika entstanden und sich von dort anschließend über die ganze Erde verbreiteten. Den ersten Anlauf, den afrikanischen Kontinent zu verlassen, unternahmen die frühen Homo sapiens demnach vor rund 130.000 bis 90.000 Jahren – schafften es dabei jedoch nur bis in die benachbarte Levante. Erst bei einer zweiten Expansionswelle vor rund 60.000 Jahren drangen unsere Vorfahren dann in weite Teile Eurasiens und bis nach Australien vor.
Neue Fossilfunde haben diesen bisher gültigen „Zeitplan“ allerdings bereits in Frage gestellt: Zum einen offenbaren 300.000 Jahre alte Homo sapiens-Knochen, dass sich unsere Spezies früher entwickelte als bisher angenommen und sich außerdem deutlich schneller innerhalb Afrikas verbreitete. Zum anderen deuten mindestens 177.000 Jahre alte Fossilien aus Israel auf eine wesentlich frühere Ankunft des Homo sapiens in der Levante hin.
Überraschend alt
Für weitere Überraschung sorgt nun ein Fund aus der Wüste Nefud in Saudi-Arabien: Wissenschaftler um Huw Groucutt von der University of Oxford haben dort an der Fundstelle Al Wusta neben zahlreichen Überresten von Tieren und menschengemachten Steinwerkzeugen das Fossil eines drei Zentimeter langen Fingerknochens entdeckt. Vergleiche mit anderen Fossilien zeigten, dass dieser eindeutig zu einem Menschen unserer Spezies gehört.