Von Halluzinationen bis Wahnvorstellungen: Forscher haben herausgefunden, dass nicht nur der Hirnbotenstoff Dopamin für die Entstehung von Psychosen eine Rolle spielt. Offenbar mischt auch der Neurotransmitter Glutamat bei der Erkrankung mit. Demnach scheint eine Psychose mit Veränderungen an Glutamat-Rezeptoren im Hippocampus des Gehirns einherzugehen, wie Versuche mit Ratten nahelegen. Lassen sich diese Ergebnisse bestätigen, könnten sich daraus in Zukunft neue Ansätze für Therapien ergeben.
Menschen mit Psychosen nehmen die Welt verändert war. Sie leiden zum Beispiel unter Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder starken, unbegründeten Ängsten. Die Ursache für solche psychischen Störungen ist in vielen Fällen nicht eindeutig feststellbar. Bekannt ist jedoch: Das Krankheitsbild kann unter Umständen durch Gehirnerkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder den Konsum von Drogen wie LSD und Cannabis hervorgerufen werden.
Dopamin und …?
Forscher wissen heute, dass Psychosen mit einer zu hohen Konzentration des Hirnbotenstoffs Dopamin einhergehen. Doch gängige Medikamente, die auf diesen Neurotransmitter Einfluss nehmen, wirken nicht immer. Sie können zwar Symptome wie Halluzinationen unterdrücken. Andere Beschwerden aber bleiben bestehen – und damit steigt das Risiko, dass die Psychose irgendwann chronisch wird.
Wissenschaftler um Valentina Dubovyk von der Ruhr-Universität Bochum haben nun untersucht, ob womöglich noch ein weiterer Botenstoff bei der Entstehung der Erkrankung mitmischt: Glutamat. Wichtig für den Glutamat-Kreislauf im Gehirn ist der Rezeptor N-Methyl-D-Aspartat (NMDA). Er kommt vor allem in den Nervenzellen des Hippocampus und des Großhirns vor und ist dort an der Bildung von Gedächtnisinhalten und der synaptischen Plastizität beteiligt. Je mehr NMDA-Rezeptoren eine Synapse hat, desto empfindlicher ist sie.