„Lerche“ oder „Nachteule“? Um den Chronotyp eines Menschen herauszufinden, waren bisher langwierige Hormon- oder Schlaflabortests nötig. Doch jetzt haben Forscher einen Bluttest entwickelt, der schnell und einfach den Status der inneren Uhr verrät – eine Blutprobe reicht. Möglich wird dies durch zwölf Biomarker, die je nach „Innenzeit“ unterschiedlich aktiv sind. Das Wissen um den Chronotyp könnte helfen, Medikamente zur jeweils günstigsten Zeit zu verabreichen, wie die Forscher erklären.
Unsere innere Uhr beeinflusst den Rhythmus zahlreicher Körperfunktionen – von Schlaf und Müdigkeit über die Immunabwehr, die Wundheilung und den Hormonhaushalt bis hin zum Sehvermögen und unserer Aggression. Doch nicht bei jedem Menschen tickt dieser innere Taktgeber gleich schnell: Genetische Faktoren sorgen dafür, dass die innere Uhr bei einigen Menschen dem 24-Stunden-Rhythmus hinterherhinkt. Diese „Nachteulen“ kommen morgens kaum aus dem Bett und finden abends nicht hinein. Bei Frühaufstehern dagegen „tickt“ die Uhr schneller – auch dafür sorgen Gene.
Ob jemand eine Lerche oder eine Nachteule ist, kann auch für die Medizin wichtig sein. Denn Studien zeigen, dass bestimmte Medikamente verschieden gut wirken – je nachdem, in welcher Phase des inneren Tageszyklus sie eingenommen werden. Doch den individuellen Chronotyp herauszufinden, war bisher aufwändig und alles andere als einfach.
Von 20.000 auf zwölf
Jetzt jedoch haben Achim Kramer von der Charité in Berlin und sein Team Biomarker im Blut identifiziert, die schon anhand einer Blutprobe den Chronotyp und damit die individuelle „Innenzeit“ verraten. Für ihre Studie entnahmen sie zunächst Probanden den ganzen Tag hindurch mehrfach Blut und bestimmten darin die Aktivität von rund 20.000 Genen.