Uhr im Darm: In unseren Organen sitzen Taktgeber, die noch sensibler auf Schichtarbeit und Jetlag reagieren als unsere innere Hauptuhr. Wie eine Pilotstudie enthüllt, reichen schon drei durchwachte Nächte aus, um die Rhythmen von Darm, Leber und Co um zwölf Stunden zu verschieben. Weil aber die Hauptuhr ihren Takt im gleichen Zeitraum nur um zwei Stunden verschiebt, kommt es zu einer De-Synchronisation der Stoffwechselrhythmen, wie die Forscher berichten.
Schichtarbeit, Jetlag und andere Störungen unseres Tag-Nacht-Rhythmus schaden der Gesundheit – so viel ist klar. Das Leben gegen die innere Uhr erhöht das Risiko für Übergewicht und Diabetes, fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen und könnten sogar für einen verstärkten geistigen Abbau sorgen. Auch das Krebsrisiko ist wegen einer gehemmten DNA-Reparatur erhöht.
Nachtschicht im Schlaflabor
Jetzt zeigt sich, dass Schichtarbeit und Co nicht nur den zentralen Taktgeber in unserem Gehirn und die von ihm gesteuerten Prozesse stören – auch in unseren Organen gerät einiges durcheinander. Für ihre Pilotstudie hatten Debra Skene von der University of Surrey und ihre Kollegen 14 Probanden für eine Woche ins Schlaflabor gebeten.
Nach einer Eingewöhnungszeit wurde die Hälfte der Teilnehmer auf Nachtschicht umgestellt: Drei Tage lang lebten sie unter einem um zwölf Stunden verschobenem Rhythmus. Die restlichen Teilnehmer blieben als Kontrolle im normalen Tagesrhythmus. Nach Abschluss dieser Phase wurden alle Probanden 24 Stunden lang unter Dauerlicht wachgehalten – ihre inneren Uhren mussten ohne äußere Taktgeber auskommen.