Lukrative Einnahmequelle: Die Wikinger in Grönland handelten mit Walross-Stoßzähnen – und nahmen in diesem Geschäft offenbar lange Zeit eine Monopolstellung ein. Analysen von Elfenbeinfunden belegen, dass Handwerker in ganz Europa den Rohstoff mehr als 200 Jahre lang fast ausschließlich von den Nordmännern bezogen haben müssen. Dann jedoch kam der Handel jäh zum Erliegen – eine mögliche Erklärung für das Verschwinden der Wikinger aus Grönland?
Die Wikinger waren meisterhafte Seefahrer. In ihren Booten überquerten sie dank einfacher Navigationshilfen schon vor mehr als tausend Jahren den Atlantik und drangen sogar bis Grönland vor. Dort gründeten die Nordmänner angeführt von Erik dem Roten Siedlungen, in denen im Laufe der Zeit mehrere tausend Wikinger lebten, Vieh hielten – und Walrösser jagten. Doch Ende des 15. Jahrhunderts endete diese Ära plötzlich: Die Wikinger gaben ihre Dörfer auf und verschwanden für immer aus Grönland.
Über die Gründe für dieses rätselhafte Verschwinden wird immer wieder spekuliert. Demnach könnte unter anderem ein Klimaumbruch die Nordmänner vertrieben haben. Denkbar ist aber auch, dass sie zunehmend Probleme bekamen, Walross-Stoßzähne mit Gewinn loszuwerden. Denn der Handel mit diesem Rohstoff könnte für die Wikinger in Grönland eine überlebenswichtige Einnahmequelle gewesen sein.
Beliebter Rohstoff mit unklarem Ursprung
Tatsächlich belegen Funde, dass Walross-Elfenbein damals in ganz Europa beliebt war und Handwerker aus diesem Material Objekte wie Kruzifixe oder Schachfiguren fertigten. Doch stammte das Elfenbein dafür wirklich aus Grönland? Um dies herauszufinden, haben Wissenschaftler um Bastiaan Star von der Universität Oslo nun Funde aus ehemaligen Elfenbein-Werkstätten untersucht – darunter Material aus Bergen, Oslo, Dublin, London und Schleswig.