Überraschung im Genom: Die Zahl der proteinkodierenden DNA-Abschnitte in unserem Erbgut ist womöglich überschätzt worden. Wie eine Analyse zeigt, enthält das sogenannte Proteom wahrscheinlich doch nur 19.000 Gene – und damit rund 3.000 weniger als bisher angenommen. Zwar ist auch diese neue Zahl noch mit Unsicherheiten behaftet. Bestätigt sich das Ergebnis jedoch, könnte dies weitreichende Konsequenzen haben – zum Beispiel für die Medizin.
Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2003 war ein gewaltiger Durchbruch für die Wissenschaft. Seitdem wissen wir, dass unser DNA-Code rund drei Milliarden Basenpaare umfasst – und dass nur ein Bruchteil davon aus proteinkodierenden Genen besteht.
Wie viele dieser echten Gene aber enthält unser Erbgut genau? Diese komplizierte Frage beschäftigt Forscher seit nunmehr 15 Jahren. Gingen sie ursprünglich einmal von 100.000 Genen aus, deuten aktuelle Analysen auf nur etwas mehr als 20.000 hin. Doch womöglich sind es sogar noch weniger, wie Federico Abascal vom Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridgeshire und seine Kollegen nun berichten.
Proteom im Fokus
Um die Gesamtzahl der proteinkodierenden Gene – das sogenannte Proteom – exakter zu bestimmen, haben sich die Wissenschaftler die drei wichtigsten derzeit zur Verfügung stehenden Referenzproteome noch einmal genauer angeschaut. Diese Datensätze enthalten insgesamt 22.210 Gene.