Nachträgliche Abschwächung: Der berühmte Gelehrte Galileo Galilei veränderte nachträglich seine eigenen Aussagen gegen das kirchliche Weltbild – und schwächte sie ab. Das enthüllt der Fund eines Briefs, den Galilei im Jahr 1613 an einen Freund schrieb. Er enthüllt auch, dass eine kirchenkritischere Fassung dieses Briefs keineswegs eine Fälschung seiner Feinde war, wie Galilei damals behauptete. Stattdessen stammte auch sie aus seiner Feder – und war das Original.
Galileo Galilei gilt als Wegbereiter der modernen Astronomie – und als Revolutionär der Wissenschaft. Denn der italienische Universalgelehrte trat dem geozentrischen Weltbild der Kirche entgegen und wurde dafür jahrelang von der Inquisition als Ketzer verklagt und schließlich verurteilt. Doch sein auf Beobachtungen und Fakten beruhendes heliozentrisches Weltbild setzte sich trotzdem durch. Heute ist längst klar, dass der Gelehrte damals Recht hatte.
Echt oder Fälschung?
Doch ein Punkt in Galileis Kampf um die Wahrheit ist seit Jahrhunderten strittig: Im Jahr 1615 erhielt die Inquisition in Rom über Mittelsmänner einen Brief Galileis, in dem dieser in harschen Worten das geozentrische Weltbild der Kirche kritisierte. Unter anderem bezeichnete er darin bestimmte Aussagen der Bibel als „falsch, wenn man die buchstäbliche Bedeutung der Worte nimmt“. Außerdem sprach er der Kirche die Kompetenz ab, über astronomische Fragen zu urteilen.
Für die Kirche war dies ein direkter Angriff auf ihre Autorität und eine Häresie. Doch Galilei wehrte sich und bezeichnete diesen Brief als Fälschung. Seine Aussagen seien darin absichtlich verschärft worden, um ihn zu diskreditieren. Zusammen mit dieser Argumentation schickte der Gelehrte die seinen Angaben nach echte Version des Briefs nach Rom – eine, die deutlich milder formuliert war.