Kleinere Lücke: Reiche leben in der Regel länger als Arme – allerdings ist dieser Unterschied in Sachen Lebenserwartung offenbar längst nicht so groß wie gedacht. Anders als gängige Prognosen annehmen, bleiben Menschen nämlich keineswegs ein Leben lang in einer Einkommensklasse stecken. Berücksichtigt man diesen Faktor mit, ist die Lücke zwischen Viel- und Geringverdienern nur noch halb so groß, wie Forscher berichten.
Seit dem 20. Jahrhundert steigt unsere durchschnittliche Lebenserwartung nahezu kontinuierlich. Dank mehr und besserer Nahrung, der Entwicklung von Antibiotika und weniger körperlich schwerer Arbeit durch moderne Technik werden wir immer älter. Fakt ist aber auch: Nicht alle Menschen leben gleich lang. Viele Studien belegen, dass die individuelle Lebenserwartung entscheidend vom sozialen Status abhängt.
Sozialer Auf- und Abstieg
Wer viel verdient, lebt demzufolge deutlich länger als seine ärmeren Mitmenschen. In den USA beispielsweise scheinen Vielverdiener 6,5 Jahre länger dem irdischen Dasein frönen zu können als Geringverdiener. Das Problem bei derartigen Prognosen ist allerdings: Sie gehen davon aus, dass die Reichen reich und die Armen arm bleiben – dabei sieht die Realität häufig ganz anders aus.
Wie Claus Thustrup Kreiner von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen berichten, arbeitet sich im Schnitt die Hälfte der Ärmsten im Laufe eines Zeitraums von zehn Jahren in bessere Einkommensklassen hoch und ebenso viele Reiche steigen sozial ab. Wie wirkt sich dieser Faktor auf die Lebenserwartung aus? Um dies herauszufinden, ergänzten die Wissenschaftler bisherige Berechnungsansätze um ein Modell zur sogenannten sozialen Mobilität.