Abwehr in Alarmbereitschaft: Der Einsatz der Genschere CRISPR/Cas 9 beim Menschen könnte problematisch werden. Denn offenbar reagiert unser Immunsystem auf einen wichtigen Bestandteil dieses molekularbiologischen Werkzeugs: das Eiweißmolekül Cas9. Wie Forscher in einer Pilotstudie festgestellt haben, beherbergen viele Menschen Immunzellen, die dieses Molekül als Feind erkennen und angreifen. Der Grund: Cas9 stammt ursprünglich aus Streptokokken – Bakterien, mit denen wir uns häufig infizieren.
Die Genschere CRISPR/Cas9 gilt als Durchbruch für die Gentherapie. Denn mit diesem molekularbiologischen Werkzeug lässt sich die DNA von Lebewesen einfacher und gezielter verändern als jemals zuvor. Forscher haben es unter anderem bereits genutzt, um eine Alzheimer-Mutation und den Gendefekt der Sichelzellen-Anämie in menschlichen Zellen zu korrigieren. Inzwischen wird die Methode auch in ersten klinischen Studien erprobt.
Alter Bekannter für das Immunsystem
Wie sicher der Einsatz der Genschere beim Menschen ist, ist allerdings nach wie vor unklar. So deuten Untersuchungen darauf hin, dass CRISPR/Cas9 ungewollte Veränderungen im Erbgut auslösen kann und ihre Anwendung sogar indirekt das Krebsrisiko fördern könnte. Einen weiteren potenziellen Nachteil der Genschere haben nun Wissenschaftler um Dimitrios Wagner von der Berliner Charité aufgedeckt: Unser Immunsystem reagiert darauf.
„Ein wesentlicher Bestandteil von CRISPR/Cas9 ist das Eiweißmolekül Cas9, das aus Bakterien namens Streptokokken stammt. Da sich Menschen häufig mit diesen Bakterien infizieren, vermuteten wir, dass bereits ein immunologisches Gedächtnis gegen Cas9 bestehen könnte“, berichtet Wagners Kollege Michael Schmück-Henneresse.