Alarmierender Trend: In Europa erkranken und sterben immer mehr Menschen an Infektionen mit Antibiotika-resistenten Bakterien. Pro Jahr gibt es inzwischen 33.000 Todesfälle durch solche multiresistenten Keime. Die Krankheitslast ist höher als durch Grippe, Tuberkulose und HIV zusammen, wie die europäische Seuchenbehörde ECDC berichtet. Besonders alarmierend: 39 Prozent der Betroffenen sind mit Bakterien infiziert, die selbst gegen Notfall-Antibiotika immun sind.
Einst waren Antibiotika wirksame Waffen gegen bakterielle Infektionen. Doch inzwischen haben viele Erreger Resistenzen gegen die Wirkstoffe gebildet – sie sind immun. Längst breiten sich resistente Stämme von Darmkeimen, Staphylokokken und anderen Bakterien auch in Deutschland und Europa aus. Über Gülle, Gewässer, Böden und auch die Luft werden Resistenzgene ausgetauscht und verbreitet.
Immer mehr Infektionen und Todesfälle
Wie groß das Problem mittlerweile in Europa ist, zeigt nun eine Studie von Forschern des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Sie hatten die Häufigkeit von Infektionen und Todesfällen durch die acht häufigsten resistenten Bakterien in Europa untersucht. Zu diesen gehören multiresistente Stämme von Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa und Streptococcus pneumoniae, aber auch der Krankenhauskeim MRSA.
Das Ergebnis: Seit 2007 hat sich die Zahl der Infektionen durch resistente Keime deutlich erhöht. Allein im Jahr 2015 gab es gut 670.000 Infektionen mit diesen resistenten Bakterien in Europa. 33.000 Menschen starben als direkte Folge dieser Infektionen, wie die Forscher berichten. Diese Erkrankungen verursachen damit in Europa inzwischen eine größere Krankheitslast als Grippe, Tuberkulose und HIV zusammen.