Um neue Arten zu entdecken, müssen Forscher nicht unbedingt in die Tropen reisen. Manchmal ist das auch vor der eigenen Haustür möglich. Wissenschaftler haben jetzt in Niedersachsen sieben neue Bakterienspezies entdeckt. Sie leben im Westerhöfer Bach im Harz und gehören den Gattungen Flavobacterium und Pedobacter an.
Der Westerhöfer Bach war schon öfter die Fundstätte von bisher unbekannten Spezies. So spürten Wissenschaftler der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig dort vor einem halben Jahr die Bakteriengattung Deefgea rivuli auf.
Ungewöhnlich ist der hohe Gehalt des Westerhöfer Bachs an Calcium und Magnesium, die ausfallenden Mineralsalze führen zur Bildung von Kalktuffgestein. Untersuchungen zeigten, dass das Wasser unmittelbar an der Quelle nahezu steril ist. Im weiteren Verlauf des Fließgewässers finden sich zunehmend Bakterien, die vermutlich aus dem Uferbereich eingeschleppt werden.
Professor Erko Stackebrandt vom DSMZ erklärt: „Dabei sehen wir in unseren Kulturschalen immer nur eine kleine Auswahl der tatsächlich vorhandenen bakteriellen Vielfalt. Bislang ist nur etwa ein Prozent aller Bakterien im Labor kultivierbar.“