Die Vorgänge im Inneren von Zellen in Echtzeit zu verfolgen, davon träumten Biologen seit langem vergeblich. Jetzt jedoch ist es Forschern mithilfe der STED-Mikroskopie gelungen, das erste Video auf der Nanoskala aus dem Inneren einer lebenden Zelle auf Film zu bannen. Erstmals wurde so die Fortbewegung mit Botenstoffen gefüllter Bläschen in Nervenzellen live mitverfolgt. Die Methode wurde in der aktuellen Ausgabe von „Science Express“ veröffentlicht.
Schafft man es, Lebensvorgänge im Innersten unserer Zellen detailliert zu verfolgen, kann man leicht verstehen, was sich in ihnen abspielt. Doch scharf zu sehen, war lange Zeit nur mit Elektronen- oder Rastersondenmikroskopie möglich – aber nicht im Inneren einer lebenden Zelle. Die Lichtmikroskopie wiederum ermöglicht zwar berührungsfreie Untersuchungen, allerdings waren diese bisher nicht scharf genug.
Von der STED-Mikroskopie zum STED-„Film“
Mit seinem neu entwickelten „Stimulated Emission Depletion“ (STED)-Mikroskop konnte Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, bereits vor einigen Jahren die Auflösung der Fluoreszenz-Mikroskopie dramatisch steigern, die lange Belichtungszeit für ein einzelnes Bild erlaubte es aber nicht, Bewegungen aufzunehmen.
Jetzt ist es den Physikern Volker Westphal, Marcel Lauterbach und Stefan Hell in Zusammenarbeit mit dem Biologen Silvio Rizzoli vom Göttinger Exzellenzcluster „Mikroskopie im Nanometerbereich“ erstmals gelungen, auch schnelle Bewegungsvorgänge innerhalb der Zelle direkt auf Film zu bannen. Die Wissenschaftler konnten die Belichtungszeit für eine einzelne Aufnahme so drastisch verkürzen, dass sie Bewegungsvorgänge mit einer Auflösung von 65 bis 70 Nanometern – also 3- bis 4-mal besser als die Beugungsgrenze – in Echtzeit einfangen. Als Untersuchungsobjekt dienten den Forschern dabei lebende Nervenzellen.