Im oberen Erdmantel gibt es natürliche elektrische Ströme, doch das Hauptmaterial des Mantels ist gar nicht leitfähig. Dieses scheinbare Paradox haben jetzt französische Forscher in „Science“ aufgeklärt. Sie ermittelten die Konzentration von flüssigem Karbonat in der Asthenosphäre nach und wiesen die extrem gute Leitfähigkeit dieser Kohlenstoffverbindung nach. Das Ergebnis hat auch Auswirkungen auf das Verständnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs.
Woher kommt das CO2 der Vulkane?
Bei Vulkanausbrüchen werden immer wieder große Mengen an Kohlendioxid frei, aber woher kommt der darin enthaltenen Kohlenstoff? Seit langem favorisieren Geologen die Theorie, dass im Erdmantel, der Schicht geschmolzenen Gesteins unter der Erdkruste, seit Jahrtausenden große Mengen an Kohlenstoff enthalten sind. Bisher konnte diese Annahme jedoch nicht eindeutig bewiesen werden. Im Gegenteil: Gesteinsproben von der Oberfläche des Mantels enthielten nur sehr geringe Kohlenstoffkonzentrationen.
Und warum leitet der Erdmantel?
Ein weiteres ungelöstes Rätsel des Erdmantels ist seine Leitfähigkeit: Obwohl er hauptsächlich aus Olivin besteht, einem absolut isolierenden Mineral, gibt es in Tiefen zwischen 70 und 350 Kilometern natürliche elektrische Strömungen. Wie aber ist dies möglich? Um genau diese Fragen zu klären, haben jetzt Forscher des Institut des Sciences de la Terre d’Orléans (ISTO) Lava aus dem Masai Vulkan in Tansania untersucht. Er ist der einzige Ort auf der Welt, an dem flüssige Karbonate zutage gefördert werden, neben Diamant und Graphit eine der stabilsten Formen von Kohlenstoff im Mantelgestein. Überall sonst sind die Karbonate in Basalt gelöst und gasen als CO2 aus.
Flüssiges Karbonat als Leiter
In Laborversuchen stellten Wissenschaftler um Fabrice Gaillard fest, dass die flüssigen Karbonate sehr leitfähig sind. Sie besitzen eine mehr als 1.000 fach höhere Leitfähigkeit als Basalt, der bisher als die einzige leitfähige Komponente des Erdmantels galt. Aus der Präsenz der flüssigen Karbonate im Vulkan und ihrer leitenden Eigenschaften schließen die Forscher, dass auch die Leitfähigkeit des oberen Mantels insgesamt auf dieses Material zurückzuführen ist. Kleine Mengen der flüssigen Karbonate zwischen Brocken festen Gesteins könnten ihrer Ansicht nach das Fließen der natürlichen elektrischen Ströme im Mantel erklären. Die Konzentrationen des Karbonats variiert dabei offenbar mit der Tiefe und der Region des Mantels.