Der zweibeinige Gang ist eines der Wunder der Evolution – und so komplex, dass Forscher ihn bis heute nicht komplett nachstllen können. Ein internationales Projekt ist nun dabei, mithilfe von Computermodellen, biomechanischen Messungen und speziellen Orthesen, den Grundprinzipien auf die Spur zu kommen. Ziel ist es den individuellen Laufstil verschiedener Entwicklungsstufen und Indivuen nachstellen und – beispielsweise durch Prothesen – unterstützen zu können.
Zuerst können sie nur einige Zentimeter vorwärts robben, dann beginnen sie zu krabbeln und irgendwann, nachdem sie sich zum ersten Mal selbstständig aufgerichtet haben, sind sie vor Begeisterung am Laufen kaum noch zu bändigen. „Die Art, wie Kinder laufen lernen, ist dem Übergang vom vierbeinigen zum zweibeinigen Gang im Laufe der Evolution des Menschen erstaunlich ähnlich“, erklärt André Seyfarth von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Locomorph: Auf der Suche nach der Gestalt der Bewegung
Zusammen mit einem internationalen Forscherteam will er herausfinden, wie sich der Übergang zur Zweibeinigkeit mechanisch abspielt. Dafür startet jetzt ein Kooperationsprojekt mit Kollegen aus der Schweiz, Belgien, Dänemark und Kanada, das die EU für die nächsten vier Jahre mit insgesamt 2,7 Millionen Euro fördert. Locomorph heißt das neue Projekt, zusammengesetzt aus den Wörtern Lokomotion und Morphologie. Dahinter verbirgt sich, wörtlich genommen, die Gestalt der Bewegung.
Und genau das ist erklärtes Ziel: „Wir wollen begreifen, wie die mechanische und neuronale Kommunikation im bewegten Bein aussieht. Und zwar so genau, dass wir es nachstellen können“ , so Seyfarth. Geplant ist der Bau von modularen Laufrobotern, mit denen die Entwicklung von der vierbeinigen zur zweibeinigen Lokomotion nachgestellt werden kann. Doch bevor die Wissenschaftler diesen letzten der drei Projektteile verwirklichen können, stehen Bewegungsanalysen und die Entwicklung von Computermodellen an.