Der „Marsianer“ lässt grüßen: Forscher haben erfolgreich Gemüse geerntet, das auf nachgebildetem Mars- und Mondboden gewachsen ist. Tomaten, Zwiebeln, Erbsen, Rettich und Co gediehen dabei fast genauso gut wie Vergleichsgemüse auf irdischem Boden. Bevor jedoch künftige Astronauten sich mit selbstgezogenem Gemüse ernähren, muss ein Problem noch gelöst werden: Marsboden enthält zu viele Schwermetalle.
Im Kinofilm „Der Marsianer“ überlebt der auf dem Mars gestrandete Astronaut Mark Watney vor allem deshalb, weil er Kartoffeln in Marsboden anbaut. Er düngt diese eher unfruchtbare Erde mit seinem Kot und setzt Bakteiren aus einer irdischen Bodenprobe hinzu, damit die Pflanzen eine Chance haben. An einer realen Umsetzung dieses SzenariosSchon tüfteln schon seit einiger Zeit Forscher der Universität Wageningen.
Vom Vulkansand zum Mars-Analog
Wieger Wamelink und sein Team nutzen für ihre Experimente ein von der NASA hergestelltes Mars-Analog. Es besteht aus Vulkansand vom hawaiianischen Mauna Loa, der chemisch an die Eigenschaften des echten Marsbodens oder des echten Mondregoliths angepasst wurde. Wie der Astronaut im Film setzen sie für ihre Pflanzenkulturen Erdbakterien und organisches Material hinzu.
Im Mai 2015 säten sie in ihrem zweiten Experiment Tomaten, Erbsen, Roggen, Rettich, Lauch, Spinat, Salat, Kresse, Quioa und Schnittlauch in diese „fremden“ Böden. Gegenüber ihren Ersten versuchen führten sie dabwei einige Verbesserungen ein: „Wir nutzten nun Tabletts statt Töpfen und fügten frisch geschnittenens Gras als organischen Dünger hinzu“, erklärt Wamelink.
„Mars“-Ernte fast so gut wie irdische
Und es zahlte sich aus: Die Pflanzen wuchsen auf den simulierten Mars- und Mondböden fast so gut wie auf irdischer Vergleichserde, wie die Forscher berichten. Vor allem im Mondboden, in dem im ersten Durchgang alle Pflanzen eingegangen waren, haben diesmal alle überlebt und Kräuter und Gemüse geliefert – und das nicht zu knapp.
Denn auch die Ernte fiel im Marsboden kaum geringer aus als in der Erde. „Das war eine echte Überraschung für uns“, sagt Wamelink. „Das zeigt, dass vor allem der Marsboden großes Potenzial hat, wenn er richtig vorbereitet und gut gewässert wird.“ Der Mondboden erwies sich jedoch als weniger gut geeignet: Er brachte nur rund halb so viel Biomasse hervor wie die beiden anderen Bodengruppen.
Noch zu viele Schwermetalle
Allerdings: Essen sollte man die auf Marsboden gewachsenen Pflanzen lieber noch nicht. „Die Böden enthalten Schwermetalle wie Blei, Arsen und Quecksilber und auch sehr viel Eisen“, erklärt Wamelink. „Unter bestimmten Bedingungen können die Pflanzen diese Giftstoffe aufnehmen und werden dadurch selbst giftig.“
Wie sich die Schwermetall-Belastung der Ernte verhindern lässt, wollen die Forscher in einem im April 2016 beginnenden dritten Experiment testen. Dafür suchen sie allerdings noch Spenden mittels Crowdfunding. „Sollten die diesmal ausgesäten Kartoffeln und Bohnen genießbar sein, werden wir alle Geldgeber zu einem marsianischen Mahl einladen, bei denen auch die auf Marsboden geernteten GEMüse serviert werden“, sagt Wamelink.
(Wageningen University, 08.03.2016 – NPO)