Die leuchtende gelbe Kugel, etwas kleiner als ein Fußball, schwebt nur wenige Meter über dem Boden. Sekunden später ertönt ein Knall und die geheimnisvolle Erscheinung ist verschwunden. Ein Kugelblitz. Kein Wunder, dass Kugelblitze früher als Geistererscheinungen gedeutet wurden und Augenzeugenberichte lange Zeit als optische Täuschung abgetan wurden. Sie tauchen plötzlich auf und verschwinden wenige Sekunden später wieder. Sie können durch Wände dringen und Metall zum Schmelzen bringen. Wie aber entstehen sie?
Lange geisterten verschiedene Theorien über die Bildung von Kugelblitzen durch die Wissenschaft, keine von ihnen vermochte aber sämtliche beobachteten Phänomene zu erklären. Eine Theorie favorisiert ionisiertes Gas als Ursprung der leuchtenden Kugeln. Da auch Blitze die umgebende Luft zu ionisieren vermögen und die meisten Kugelblitze bei Gewitter beobachtet werden, wäre es möglich, dass die geladenen Teilchen in einem magnetischen Ring eingeschlossen werden. Dies würde allerdings voraussetzen, dass das Gas nur sehr langsam verbrennt, viele Forscher sind aber der Ansicht, das ionisierte Gas würde auf der Stelle explodieren. Außerdem würde der Feuerball aufgrund seiner geringen Dichte nach oben bewegen, was aber nur selten beobachtet wurde.
Im Gegensatz dazu gehen andere Theorien von externer Energie aus. So sollen Kugelblitze an Kreuzpunkten von Blitzen entstehen, durch die gesammelte Energie eines Gewitters an einem Punkt oder durch radioaktive Weltraumstrahlung, die durch elektrische Felder bei einem Gewitter konzentriert werde.
Diese Theorien haben allerdings alle einen entscheidenden Nachteil: Kugelblitze im Innern von Gebäuden oder Flugzeugen können damit nicht erklärt werden. Und das trifft immerhin auf fast ein Drittel aller beobachteten Fälle zu.
Nun gibt eine weitere Hypothese Anlass zu neuen Hoffnungen auf eine Lösung des Problems:
Ein Gewitter. Es blitzt und donnert. Einer der Blitze schlägt in den Boden ein. Durch die extrem heißen Temperaturen verdampfen die Bodenmineralien. Kohlenstoff und Siliziumoxid reagieren miteinander, zahlreiche siliziumhaltige Partikel entstehen. Zusammen mit gebildetem Dampf steigen die Siliziumverbindungen nach oben. Dort werden die Gebilde vom Luftsauersoff angegriffen und verbrennen langsam, wobei die Temperaturen stetig zunehmen. Ab einer bestimmten Temperatur schmelzen die Siliziumketten, eine Explosion setzt die restliche Energie frei.
Im Experiment gelang es bereits, Siliziumpartikel zu Ketten zu verknüpfen. Nur die Form einer Kugel haben sie bisher im Labor nicht angenommen. Es bleibt also abzuwarten, ob diese neue Theorie tatsächlich eine hinreichende Erklärung für das Phänomen Kugelblitz bietet.
Stand: 12.04.2001