Vom Blitz erschaffen: Forscher haben erstmals mineralisches Phosphit (-HPO3) in einem Blitzsinter nachgewiesen – es ist das erste natürliche Phosphormineral mit dieser Oxidationsstufe. Entdeckt wurde das Mineral in einem durch Blitzschlag in den Boden erzeugten Fulgurit. Dabei entstanden neben dem typischen Blitzglas aus geschmolzenem Sand auch metallisch schimmernde Körnchen aus Eisensiziliden und Calciumphosphit, wie die Analysen ergaben.
Phosphor kann je nach chemischer Verbindung verschiedene Oxidationsstufen einnehmen. Als natürliches Mineral wurden auf der Erde aber bisher nur zwei Varianten nachgewiesen. Am häufigsten liegt Phosphor als Phosphat in Oxidationsstufe +5 vor, weniger häufig als Phosphid mit Oxidationsstufe -1. „Auffallend abwesend sind dagegen Minerale mit den dazwischenliegenden Oxidationsstufen des Phosphors“, erklären Luca Bindi von der Universität Florenz und seine Kollegen. Solche Zwischenformen des Phosphors wurden zwar schon synthetisch hergestellt, konnten aber in natürlichen Materialien bisher nicht nachgewiesen werden.

Wo steckt das Phosphit?
Das Merkwürdige daran: Zwischen ein und zehn Prozent aller Mikroben-Stämme haben biologische Mechanismen entwickelt, um Phosphit – eine Verbindung mit Oxidationsstufe +3 – als Phosphorquelle zu nutzen. Das legt nahe, dass Phosphite in der Natur vorkommen müssen. Experimente im Labor lassen zudem vermuten, dass diese Verbindungen durch chemische Reduktion unter starker Hitzeeinwirkung entstehen können – beispielsweise bei einem Meteoriten-Impakt oder einem Blitzschlag.
Auf der Suche nach einem natürlichen Phosphit-Mineral haben Bindi und sein Team deshalb einen in Florida entdeckten Fulguriten näher untersucht. Diese auch als Blitzsinter oder Blitzröhren bezeichneten Gebilde entstehen durch Blitzeinschläge in sandigem Untergrund. Temperaturen von über tausend Grad lassen den Sand dabei zu Glas verschmelzen und erzeugen röhrenförmige, oft verästelte harte Gebilde. Für ihre Studie haben die Forscher Mikroproben des Fulgurits chemisch und mineralogisch analysiert.