Florale Schneckenpost: Ein Bindegrün für Blumensträuße hat sich als Einfallstor für invasive Arten entpuppt. Denn mit dem Grün aus Nordamerika gelangen offenbar auch blinde Passagiere nach Europa, wie Forscher berichten. So sind auf diesem Weg bereits zwei ursprünglich nicht dort heimische Schnecken nach Schweden gelangt – und es ist unwahrscheinlich, dass sie die einzigen heimlichen Mitreisenden beim Blumenimport sind.
Ob Pazifische Auster, Waschbär oder Beifuß-Ambrosie: Längst breiten sich viele Tiere und Pflanzen auch dort aus, wo sie zuvor nicht heimisch waren. Und der Mensch hat einen großen Anteil daran. Denn nicht selten kommen invasive Arten dank unserer Hilfe in neue Gefilde. Dabei werden sie entweder gezielt eingeführt oder unbeabsichtigt mitgebracht – zum Beispiel als blinder Passagier an Schiffsrümpfen oder versteckt in importierten Bananenkisten.
Blinder Passagier im Bindegrün
Einen weiteren Einfallsweg für fremde Spezies haben nun Wissenschaftler um Heike Reise vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz aufgedeckt: den Blumenhandel. Ihnen war aufgefallen, dass in Schweden inzwischen zwei ursprünglich nicht dort heimische Schneckenarten leben und machten sich auf die Suche nach einer Erklärung für diese Invasion.
Dabei stellten sie fest: Die schleimigen Zeitgenossen tauchen auffällig häufig in Blumengeschäften und dort besonders zwischen oder in unmittelbarer Nähe von Salal-Lieferungen auf. Dieses Bindegrün wird Blumensträußen häufig beigefügt, um ihnen mehr Volumen zu geben. „Der hübsche Füller aus der Gattung der Scheinbeeren kann es aber in sich haben. Denn mit dem Import von Salal können auch unerwünschte Passagiere nach Europa gelangen“, sagt Reise.
Von Nordamerika nach Europa
So stießen die Forscher in den Blumengeschäften auf die beiden invasiven Arten Ariolimax columbianus und Prophysaon foliolatum. Erstere wird aufgrund ihrer Größe und gelblichen Färbung häufig als „Bananenschnecke“ bezeichnet und ist unter anderem dafür bekannt, dass sie nach der Paarung mitunter den Penis des Geschlechtspartners abknabbert. Die zweite Art hat dagegen aufgrund ihrer Fähigkeit zur Selbstamputation des Hinterleibs eine gewisse Berühmtheit und den Beinamen „taildropper“ erlangt.
Gemeinsam haben beide Spezies, dass sie ursprünglich von der Pazifikküste Nordamerikas stammen. „Genau dort gedeiht Salal als üppiger Unterwuchs und wird in riesigen Mengen in Wäldern geschnitten. Wir gehen davon aus, dass hierbei gelegentlich auch die Schnecken mitgenommen und verpackt werden. Unsere und weitere Funde der nordamerikanischen Arten tauchten immer im Zusammenhang mit dem Bindegrün auf“, berichtet Reise. „Schneckenfreundliche“ Transport- und Lagerbedingungen begünstigten die unabsichtliche Einfuhr.
Bessere Kontrollen nötig
Während viele europäische landlebende Schneckenarten, beispielsweise die Rote Wegschnecke oder der Tigerschnegel, bereits erfolgreich Populationen in Nordamerika etabliert haben, ist die Einfuhr in die entgegengesetzte Richtung dem Team zufolge bisher weniger bekannt. „Um einer Invasion dieser Tiere entgegenzuwirken, empfehlen wir den von uns aufgezeigten Transportweg zukünftig besser zu kontrollieren“, sagt Reise. Dies geschehe in den USA und Australien schon sehr gründlich, in Europa müsse in dieser Hinsicht aber noch nachgerüstet werden.
Wahrscheinlich gelangen mit den importierten Pflanzen nicht nur die Bananenschnecke und Prophysaon foliolatum auf unseren Kontinent: „Die untersuchten Arten sind relativ auffällig und groß. Es ist daher gut anzunehmen, dass viele kleinere Organismen unbemerkt über diese Route nach Europa gelangen“, schließt die Forscherin. (Folia Malacologica, 2017; doi: 10.12657/folmal.025.023)
(Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 14.02.2018 – DAL)