Eine neue Studie stellt Kriterien vor, wie sich der 2FA-Prozess auf Websites aus Nutzerperspektive vergleichen lässt. Die Untersuchung von 85 Top-Ranked Websites zeigt, dass es keine Konsistenz in der Benutzerführung gibt, obwohl genau dies ein zentraler Grundsatz im Webdesign ist. Damit läuft dies dem ‚Jakob’s Law of Internet User Experience‘ zuwider, demzufolge neue Sicherheitsstandards nur angenommen werden, wenn sie an bestehende Nutzererfahrungen anschließen.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Je mehr sich Prozesse und Alltagshandlungen gleichen, umso einfacher erscheint die Umsetzung. Dies gilt auch für das Agieren im Internet. „Wir sind daran gewöhnt, dass sich im Online-Shopping der Warenkorb meistens oben rechts auf der Website befindet“, erzählt CISPA-Faculty Dr. Sven Bugiel. Diese Erfahrungswerte ermöglichen es, dass Nutzer:innen schnell und problemlos zwischen Websites verschiedener Anbieter:innen wechseln können. Die von Bugiel geschilderte Beobachtung ist eine wichtige Heuristik aus dem Bereich der User Experience, zu Deutsch Nutzererfahrung, die auch unter “Jakob’s Law of Internet User Experience” bekannt geworden ist. Während die Nutzererfahrung beim Passwort-gestützten Login als weitgehend konsistent gilt, gibt es bisher keine Forschung darüber, wie dies für den Prozess der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aussieht. „Studien, die sich mit einzelnen Faktoren der 2FA beschäftigt haben, gibt es schon sehr viele“, erklärt der CISPA-Forscher. „Wir haben uns deswegen die Frage gestellt, wie der Gesamtfluss der Zwei-Faktor-Authentifizierung aussieht.“
Die Zwei-Faktor-Authentifizierung
Aber was genau, macht die Zwei-Faktor-Authentifizierung so interessant? „2FA ist eine der Techniken, die beim Sichern von Nutzer-Accounts immer wichtiger wird“, erklärt Bugiel. „Da sichere und einzigartige Passwörter zu erstellen eine sehr schwierige Aufgabe ist, bietet 2FA die Möglichkeit, eine zweite Sicherheitsbarriere aufzubauen.“ Nutzer:innen identifizieren sich dann beim Login auf einer Website nicht nur mit einem Passwort, sondern zusätzlich mit einem weiteren Faktor. Für die zweite Authentifizierungsebene gibt es viele verschiedene Ansätze. So kann etwa ein Einmal-Code per SMS versendet oder per App generiert werden, aber auch Hardware-Zusätze, die zum Beispiel den Fingerabdruck scannen, sind eine Option. Jede dieser Verfahren kommt mit ihren eigenen Herausforderungen. „Ein einheitlicher 2FA-Standard hat sich bisher nicht durchgesetzt“, so Bugiel.
Das Studiendesign der CISPA-Forscher
Um den Prozess der Zwei-Faktor-Authentifizierung auf Websites zu vergleichen, haben Bugiel und seine Kollegin ihrer Studie das schon erwähnte ‚Jakob‘s Law of Internet User Experience’ zu Grunde gelegt. „Um zu wissen, welche Websites überhaupt die 2FA verwenden, haben wir das 2FA-Directory genutzt“, erzählt Bugiel. „Das ist ein community-geführtes Datenset von Websites, die 2FA in irgendeiner Form unterstützen. Dort sind circa 3000 Websites gelistet“. Um die Anzahl der zu untersuchenden Websites sinnvoll zu reduzieren, haben Bugiel und seine Kollegin auf das Tranco-Datenset zurückgegriffen, ein wissenschaftliches Datenset, das Websites rankt. „Aus den bei 2FA gelisteten Websites haben wir dann die bei Tranco weit oben gelisteten Websites rausgefiltert“, so der CISPA-Forscher weiter. „Damit hatten wir Websites in unserem Sample, die wahrscheinlich die meisten Menschen auch kennen.“ Darunter waren Websites wie google.com, amazon.com oder icloud.com, die einer Mehrzahl der Nutzer:innen bekannt sein dürften.