Biodiesel aus Raps, leistungsfähige Kunststoffe, effiziente Waschmittel, preisgünstige Vitamine – mit Hilfe der Weißen Biotechnologie entstehen schon heute viele Produkte. Doch das ist erst der Anfang. Die Industrie sieht im Einsatz nachwachsender Rohstoffe und in der Weißen Biotechnologie die Alternative zur Petrochemie.
Die Zukunft ist weiß – da sind sich chemische Industrie, Politik und Wissenschaft einig. Die Weiße Biotechnologie wird von allen führenden Chemie-Unternehmen der Welt als Schlüsseltechnologie für das 21. Jahrhundert bezeichnet. Ein Grund dafür sind die steigenden Erdölpreise. Erdöl ist nicht nur der wichtigste Energieträger, sondern auch der am häufigsten verwendete Chemierohstoff. Aus dieser Abhängigkeit wollen sich die Unternehmen befreien. Sie setzen auf nachwachsende Rohstoffe, also Pflanzen, als Kohlenstoffquelle. Bis 2030 soll bereits ein Viertel der organischen Grundmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden – so das ehrgeizige Ziel der amerikanischen Chemieindustrie. In Deutschland stammen bislang nur 10 Prozent aus regenerativen Quellen.
Auch bei allen großen europäischen Chemie-Unternehmen steht die Weiße Biotechnologie ganz oben auf der Agenda. „Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen in der chemischen Industrie wird eines der wichtigsten Themen in den nächsten Jahren“, betont Dr. Alfred Oberholz, Forschungsvorstand von Degussa. Den Paradigmenwechsel unterstützt die Politik. Das Bundesforschungs-Ministerium BMBF und die EU fördern die Weiße Biotechnologie. Erst vor wenigen Wochen fiel der Startschuss für die Initiative „BioIndustrie 2021“. Für dieses Projekt stellt das BMBF 60 Millionen Euro bereit. Auch die EU hat in ihrem 7. Forschungsrahmenprogramm die „Weiße Biotechnologie“ zu einem Schwerpunktthema gemacht.
Aber was ist Weiße Biotechnologie genau? „Die Weiße Biotechnologie nutzt die Natur als chemische Fabrik. Herkömmliche chemische Produktionsprozesse werden durch den Einsatz von Mikroorganismen oder Enzymen ersetzt“, erläutert Prof. Thomas Hirth vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT. Ganz neu sind solche Verfahren nicht. Mikroorganismen und Enzyme werden schon seit langem in der Produktion genutzt – etwa beim Bier brauen oder bei der Herstellung von Käse. Die Weiße Biotechnologie geht noch einen Schritt weiter: Sie nutzt die Instrumente der modernen Biotechnologie für die Entwicklung von neuen biotechnischen Produktionsverfahren und Produkten wie Basis- und Feinchemikalien, Biokunststoffen, Lebensmittelzusatzstoffen, Agrar- und Pharmavorprodukten.
Inhalt:
- Saubere Wäsche bei 40 Grad
Umstellung auf weiße Biotechnologie läuft bereits - Rohstoffe vom Acker
Natur stellt Chemikalien bereit - Suche nach neuen Enzymen
Entscheidend ist die Umwandlung - „Bio“ auch beim Kunststoff
Milchsäure, Zellulose und andere Rohstoffe als Basis - Auf dem Weg zur Komplettverwertung
Nächster Schritt ist die Bioraffinerie
Birgit Niesing / Fraunhofer Magazin
Stand: 02.02.2007