Ein gigantisches Mosaik aus Sümpfen, Wasserflächen, bewaldeten Inseln und fruchtbaren Weidegebieten. Mittendrin Tausende von Elefanten, Giraffen, Krokodilen und Vögeln. Und dies alles im trockenen Herzen des südlichen Afrika. Unmöglich? Keineswegs. Das Okavango-Delta im Nordosten Botswanas ist ein solches „Paradies“ inmitten einer lebensfeindlichen Umgebung.
Am Leben erhalten wird dieses fragile Ökosystem durch die Wassermassen des Flusses Okavango. Aus dem Hochland Angolas kommend, mündet er nicht im Meer, sondern überschwemmt Jahr für Jahr mit seinen Fluten die Kalahari-Wüste. Der Okavango erschafft so immer wieder große Teile dieses einzigartigen, gewaltigen Feuchtgebiets neu. Das Wasser lässt die Natur förmlich explodieren und verwandelt die öde Steppe in eine blühende Naturlandschaft.
Doch dieses riesige Feuchtgebiet könnte vielleicht schon bald von der Weltkarte verschwunden sein, denn Namibia, Angola und Botswana wollen dem Delta das lebensnotwendige Wasser „abdrehen“. Am Oberlauf des Flusses sind zahlreiche neue Staudämme, Wehre und Kraftwerke geplant, die den ständig steigenden Energiehunger der Bevölkerung befriedigen sollen.
Damit nicht genug: Namibia spielt noch immer mit dem Gedanken, eine Wasser-Pipeline zu bauen, die dem Okavango noch mehr Wasser abzapft. Die Politiker wollen so die „durstende“ Hauptstadt Windhuk mit Trinkwasser versorgen und die umgebenden Wüstenlandschaften in landwirtschaftliche Oasen verwandeln.