Die Wiege der Beuteltiere liegt in Nordamerika. Hier und nicht etwa in Australien traten sie vor über 100 Millionen Jahren zum ersten Mal auf. Diese Urbeutler gehörten zur Familie der Beutelratten, deren heutige wichtigste Vertreter die Opossums in Nordamerika sind. Während aus Nordamerika viele fossile Funde dokumentiert sind, wurden in Afrika oder Asien keine gefunden. Von Amerika aus wanderten die Beuteltiere über eine damals noch existierende Landverbindung auf den australischen Kontinent ein und besiedelten Australien als erste Säugetiere.
Siegeszug der Säugetiere
Zu Beginn des Tertiärs wurde der australische Kontinent von den übrigen Landmassen isoliert, so dass von diesem Zeitpunkt an keine weiteren Säugetiere mehr einwandern konnten. Gleichzeitig begannen die Dinosaurier, die bis dahin vorherrschende Tiergruppe und größte Konkurrenz der damaligen Säugetiere, weltweit auszusterben und die nun konkurrenzlosen Säugetiere begannen ihren Siegeszug über alle Erdteile.
In Amerika und Europa, wo ebenfalls Beuteltiere vorgekommen sein sollen, stellte sich jedoch bald heraus, dass sie der Konkurrenz der höheren Säugetiere nicht gewachsen waren. Auf der einen Seite zeichneten sich die höheren Säugetiere durch eine fortschrittlichere Fortpflanzungsstrategie aus, auf der anderen Seite wurde den Beuteltieren ihre verhältnismässig geringe Intelligenz zum Verhängnis. Im Vergleich zur Körpergröße ist ihr Gehirn viel kleiner als das der höheren Säugetiere. Dies bringt natürlich einige Nachteile mit sich, so sind zum Beispiel Hunde beim Beuteerwerb aufgrund ihrer komplexeren Jagdstruktur erfolgreicher als die Beuteltiere. Auch sind bei den Beuteltieren keine Sozialstrukturen bekannt, wie man sie von anderen Säugetieren kennt. So kam es, dass es heutzutage außerhalb von Australien nur noch auf dem amerikanischen Kontinent Beuteltiere gibt.
Isoliertes Australien
In Australien war die Situation dagegen völlig anders. Hier waren die Beuteltiere die ersten Säugetiere, und bevor weitere Säugetiere nachkommen und sich frei entfalten konnten, riss die Landverbindung nach Australien ab. So gab es zum Zeitpunkt der Entdeckungsreisen von James Cook (1770 – 1779) außer dem Dingo, der von Ureinwohnern nach Australien gebracht wurde, einigen kleineren Nagetieren, die wahrscheinlich mit Treibholzinseln in Australien strandeten, und einigen Vetretern der Fledermäuse keinerlei höhere Säugetiere in Australien. Dadurch konnten sich die Beuteltiere ungestört zu ihrer heutigen Vielfalt entwickeln.
Ein solcher als adaptive Radiation bezeichneter Vorgang tritt immer dann auf, wenn Gründerindividuen einen relativ unbesiedelten Lebensraum erobern und viele noch unbesetzte ökologische Nischen vorfinden. Da dieser Prozess schon innerhalb relativ kurzer Zeiträume ablaufen kann, entstanden seit der Abtrennung Australiens von den übrigen Landmassen hier immerhin mehr als 175 unterschiedliche Beuteltierarten.
Stand: 06.10.2006