Gäbe es im Tierreich einen Oskar für die beste Haupt- oder Nebenrolle in der Sparte „Tarnen und Täuschen“, der Mimic Octopus wäre der heißeste Kandidat für eine Auszeichnung. Und das will etwas heißen, denn die achtarmigen Kraken, aber auch zehnarmige Tintenfische wie Sepien oder Kalmare, sind darin fast alle Meister ihres Fachs.

Mithilfe von speziellen Farbzellen in der Haut, den sogenannten Chromatophoren, wechseln sie bis zu 1.000 mal am Tag ihr Aussehen. Die Zellen sind mit unterschiedlichen Farbpigmenten gefüllt und werden jeweils von mehreren Muskeln gesteuert. Je nach gewünschtem Farbton werden sie so einfach „ein- oder ausgeschaltet“. Spiegelzellen unter der Haut, die das Licht zerlegen und reflektieren, perfektionieren die farbenprächtigen Ablenkungsmanöver der Tintenfische.
Maskenball unter Wasser
Ziel dieser Maskerade ist es nicht nur – so haben Wissenschaftler mittlerweile entdeckt -, sich zu tarnen und so potentielle Beutetiere oder Feinde zu überlisten, sie sind damit auch in der Lage mit Artgenossen zu kommunizieren und Emotionen zu zeigen. So präsentiert sich beispielsweise der paarungsbereite Gemeine Tintenfisch dem angehimmelten Weibchen in einer Zebrafärbung. Der Blauringkrake dagegen zeigt seine blauen Ringe auf der Haut nur dann, wenn er sich bedroht fühlt.
So erstaunlich diese Fähigkeit auch ist, ein anderer Umstand macht diesen „Maskenball unter Wasser“ möglicherweise sogar zu einer Sensation: Die Tintenfische besitzen zwar leistungsfähige Linsenaugen, die den Wirbeltieraugen sehr stark ähneln, doch sie sind wahrscheinlich farbenblind.