Nachmittags um drei Uhr im Urwald: Auf den Blättern bestimmter tropischer Akazien, den Macaranga-Bäumen, tummeln sich große Mengen an Pflanzenschädlingen, die die Blätter anfressen oder Eier ablegen. Die Akazien scheinen ihnen schutzlos ausgeliefert, die Flucht ergreifen oder sich schütteln können sie ja nicht. Wie es aussieht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bäume völlig kahl gefressen sind und eingehen.
Doch schon bald naht die Rettung für die Macaranga-Bäume. Ganze Armeen aus Ameisen, Wespen oder anderen räuberischen Insekten schweben heran und sorgen für Ordnung auf Blättern und Zweigen. Im Handumdrehen haben sie die meisten der Pflanzenfresser vertrieben oder sogar aufgefressen und der Baum kann „aufatmen“.
Schlaraffenland für Nektarliebhaber
Alles Zufall? Keineswegs. Nach dem Prinzip „Gib den Ameisen Zucker“ hat die Akazie bei den ersten Anzeichen von Fraßschäden auf chemischem Weg um Hilfe gerufen. Wie Forscher von der Universität Würzburg und dem Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie bei Freilandversuchen ermittelten, erzeugen die Macaranga-Bäume bei Schädlingsbefall große Mengen an zuckerhaltigen Substanzen und geben sie über die Blätter ab. Ameisen und andere Nektarliebhaber werden von dem klebrigen Überzug magisch angezogen. Am Zielort angekommen, betätigen sie sich zum Dank für die Extramahlzeit als schlagkräftige Unterstützung im Kampf gegen die Pflanzenfresser.
Der Ökologe Martin Heil hält dieses Vorgehen der Pflanzen für eine clevere Taktik: „Ein ökonomisches Verhalten, die Bäume investieren den Nektar nur dann, wenn er tatsächlich erforderlich ist.“