Streicheln, Handauflegen, sanfte Massage – Hautkontakt ist einer der ursprünglichsten Kommunikations- und Kontaktwege von Menschen und Tieren. Die Haut bildet die direkteste Verbindung zu unserem Nervensystem und damit auch unserem Befinden. Der Säugling nimmt so Kontakt mit der Mutter auf, bevor er noch richtig die Augen offen hat. Fehlt diese beruhigende Gegenwart, leidet nicht nur die Psyche, auch sein Immunsystem entwickelt sich weitaus weniger stabil, wie Erfahrungen mit Frühgeborenen zeigen. Affenbabys können bei Entzug dieses wichtigen Kontaktes sogar sterben.
Warum dies allerdings so ist, war den Wissenschaftlern lange Zeit unbekannt. Zwar hatte man schon in den 1990er Jahren herausgefunden, dass Ratten beim Streicheln und sanften Massieren offenbar vermehrt das Glückshormon Oxytocin ausschütteten, aber welche physiologischen Mechanismen dahinter standen, blieb ungeklärt.
Erst im Jahr 2002 gelang es schwedischen Forschern, endlich dem „Streichelfaktor“ auf den Grund zu gehen. Wie die Wissenschaftler um Hakan Olausson von der Universitätsklinik in Sahlgrenska in Untersuchungen zeigten, spielt dabei ein spezielles, hauteigenes Nervengeflecht, das so genannte C-taktile- oder CT-Netzwerk eine entscheidende Rolle. Es besteht aus extrem langsam leitenden Nervenfasern, ist aber bislang ebenfalls kaum erforscht.
Den Durchbruch für die Schweden lieferte ein Test an einer Patientin, die keinerlei bewusste Berührungen spüren konnte, Streicheln aber dennoch diffus als angenehm empfand. Im Gegensatz zu den anderen, nicht funktionierenden Hautnerven sprach ihr CT-Netz auf die Berührung an. Die Signale schickten die Nervenfasern dann aber nicht an den bewussten Teil ihres Gehirns, sondern an das Gefühlszentrum. Die Patientin „merkte“ von der Berührung daher nichts, fühlte sich aber scheinbar aus heiterem Himmel wohler und entspannter.