Es ist eine fremde Welt: In ihr leuchten plötzlich die Wände eines Hauses gelb oder rot, ein im Wald verstecktes Tier violett und selbst der scheinbare leere, dunkle Nachthimmel beginnt plötzlich in verschiedensten Farben zu erglühen. So fremdartig dies scheint, ist es doch so real wie der blaue Himmel und der grüne Wald unserer Wahrnehmung. Was sie von unserer Welt unterscheidet, ist nur das Licht – genauer gesagt die Wellenlänge des Lichts.

Denn unsere Augen sehen nur einen kleinen Ausschnitt des gesamten Lichtspektrums. Wir nehmen elektromagnetische Strahlung nur in den Wellenlängen zwischen rund 380 und 780 Nanometern wahr. Je nach Wellenlänge erscheint uns dieses Licht in verschiedenen Farben – langwelliges Licht rötlich, kurzwelliges als Blautöne. Wird die Strahlung dagegen langwelliger als 780 Nanometer, bewegen wir uns in den Infrarotbereich – wir sehen sie nicht mehr, können sie aber oft als Wärmestrahlung spüren, beispielsweise bei einer Infrarotlampe.
Wärme bringt alles zum Leuchten
Infrarotstrahlung hat ihren Ursprung in der thermischen Energie eines Objekts: Je wärmer ein Objekt ist, desto intensiver leuchtet es im Infrarot. Betrachten wir die Welt mit einem Infrarotsensor, lassen diese Unterschiede unsere Umwelt in einem fast schon psychedelischen Farbenspiel aufleuchten. Aber nicht nur warm Dinge wie ein Feuer oder ein Lebewesen geben Infrarotstrahlung ab, selbst ein Eiswürfel hinterlässt hier eine Strahlensignatur. Denn seine Temperatur liegt höher als der absolute Nullpunkt und damit besitzt er thermische Energie, die sich als Infrarotstrahlung bemerkbar macht.

Und genau dies macht diesen Wellenbereich des Lichts auch für Astronomen so spannend: Denn im Infrarot werden auch die kosmischen Objekte und Ereignisse beobachtbar, die für Hubble und andere im sichtbaren Licht agierenden Teleskope unsichtbar bleiben. So entstehen Sterne beispielsweise im Verborgenen inmitten großer, dichter Staub- und Gaswolken. Diese schlucken alles sichtbare Licht, dass die jungen Sterne aussenden. Ein Infrarot-Teleskop jedoch kann durch die Wolken hindurch schauen, weil es die Infrarotsignatur der Sterne auch durch die davor liegenden Gase wahrnimmt.