Schon in der Antike entdeckten die Griechen, dass es einige seltene Gesteine gab, die eine scheinbar magische Anziehungskraft auf alle Gegenstände aus Eisen ausübten. Seltsamerweise ließ sich diese Anziehung sogar übertragen: Strich man einige Male mit einem solchen Magnetstein über eine Eisennadel, begann auch sie, anderes Eisen anzuziehen.
Im Jahr 1000 fanden die Chinesen heraus, dass eine solche magnetisierte Nadel, wenn sie frei beweglich aufgehängt wurde, sich immer in Nord-Südrichtung ausrichtete – der Kompass war erfunden. Bald breitete sich die Kunde von diesem neuen Navigationsinstrument auch bis nach Europa aus. Seefahrer wie Columbus, Vasco da Gama oder Magellan nutzten die neue „Wundernadel“ auf ihren Entdeckungsfahrten.
Doch was steckte hinter dem seltsamen Verhalten der Magnetnadeln? In Europa glaubte man noch bis weit ins 16. Jahrhundert hinein, es gäbe irgendwo hoch im Norden der Erde einen gewaltigen magnetischen Berg. Er sollte die Kompassnadeln dazu bringen, immer nach Norden zu zeigen, und – wehe dem, der ihm zu nahe kam – zog sogar ganze Schiffe an und ließ sie an seinen Flanken zerschellen.
Die Erde als Magnet?
William Gilbert, Leibarzt der britischen Königin Elisabeth der Ersten, war der erste, der eine stichhaltige Erklärung vorschlug. Nicht ein Berg oder eine Region sei für das rätselhafte Verhalten der Nadeln und Magnetite verantwortlich, die Erde als Ganzes musste ein Magnet sein. Für seine Studien nutzte er einen Klumpen Magnetgesteins als Modell für die Erde und beobachtete anschließend das Verhalten einer Eisennadel an verschiedenen Punkten auf der Oberfläche dieser „Terella“ – „kleinen Erde“.