Rot-gelb-schwarzes Ringmuster und tödlich giftig. So oder so ähnlich stellt man sich meist die Korallenschlangen vor, die in den tropischen und subtropischen Regionen Amerikas immer wieder für Unheil und Aufregung sorgen.
Aber nicht alle Korallenschlangen, zu denen mehr als 75 verschiedene Arten aus zwei Familien gehören, werden diesem schlechten Image auch wirklich gerecht. Zwar zeigen Korallenschlangen bis auf wenige Ausnahmen wirklich das typische bunte Ringelmuster, giftig sind sie deshalb aber noch lange nicht alle. Neben wirklich hochgiftigen Exemplaren, findet man auch weniger giftige Arten und manche Korallenschlangen sind sogar völlig ungiftig. Dafür können diese ihren Opfern aber sehr schmerzhafte, stark blutende Bisswunden zufügen.
Klarer Fall von Batesscher Mimikry könnte man auf den ersten Blick vermuten. Aber sind die hochgiftigen, auch als echte Korallenschlangen bezeichneten Tiere, in diesem Fall wirklich die Vorbilder und die ungiftigen die Nachahmer? Und wieso existierten dann noch mäßig giftige Varianten? Auf diese Fragen wussten die Zoologen lange Zeit keine passende Antwort.
Erst ein Reptilienexperte namens Mertens brachte mit seinen Tierstudien im Jahr 1956 mehr Licht in das Dunkel dieser komplizierten Mimikryvariante. Die hochgiftigen Korallenschlangen fielen – das ließen Interpretationen seiner Beobachtungen erkennen – als Vorbilder für die Mimikry aus, weil ihr Biss für Feinde wie kleine Raubtiere oder Vögel in kürzester Zeit absolut tödlich war. Wenn die Fressfeinde aber im Nu starben, konnten sie auch nicht lernen, solche auffällig gemusterten gefährlichen Schlangenarten in Zukunft zu meiden.