Diamantbohrkronen, die aussehen wie zinnenbewehrte Türme einer Spielzeugburg, mit Diamantsplittern gekrönt. Das Hartmetall der Zinne nutzt sich mit der Zeit ab. Dabei brechen Diamantsplitter aus, gleichzeitig treten aber, ähnlich dem Gebiß eines „Weißen Hais“, neue scharfe Splitter hervor. Während sich die selbstschärfende Krone ringförmig in den Boden fräst, bleibt in der Mitte eine Gesteinssäule stehen, hinter der die Geologen her sind – der Bohrkern.
Für die Bereiche in denen keine Kerne gezogen werden konnten, spielte die Spülflüssigkeit mit wahren „Wundereigenschaften“ eine entscheidende Rolle.
Spülflüssigkeiten haben vielfältige Aufgaben: Im hohlen Borgestänge unter hohem Druck abwärts gepumpt, versetzen sie über einen Motor den Bohrmeißel in Drehung, treten ins Bohrloch aus und tragen beim Emporsteigen das zermahlene Bohrklein und Bohrmehl nach oben. Gleichzeitig kühlen, schmieren und stabilisieren sie das Loch.
Beim KTB hatte die Spülflüssigkeit aber noch eine andere Funktion: Sie diente als Übermittler geochemischer Information, indem sie Aufschluß über das gerade durchbohrte Gestein lieferte, und auch den prompten Nachweis von Gebirgsfluiden ermöglichte.
Damit sie diese Aufgabe einwandfrei erledigen konnte wurde ein Spülsystem entwickelt, das an Stelle von Ton mit schwankender Zusammensetztung ein sythetisches Silikat von konstanter Zusammensetzung enthielt.
Dieses Spülsystem besitzt geradezu eine „Wundereigenschaft“. Solange gebohrt wird, ist das Gemisch flüssig. Sobald aber der Bohrer zum Stehen kommt erstarrt es augenblicklich zu einem Gelee. Bohrmehl und Bohrklein bleiben da in der Schwebe, wo sie sich gerade befinden. Bei herkömlichen Spülflüssigkeiten vermischen sich die Bestandteile mit denen anderer Gesteinsschichten, so daß eine Analyse des ans Tageslicht beförderten Materials unmöglich wird. Ein angenehmer Nebeneffekt dieser „Wunderspülung“ ist, daß sich das Bohrklein nicht festsetzt und damit den Bohrer verklemmt, was jedem möglichst reibungslosen Ablauf beim Vorstoß in die Tiefe entgegenkommt, weil es Zeit und damit Geld spart.
Stand: 21.12.2001
21. Dezember 2001