Unser ständige Drang nach schnellerer Fortbewegung von A nach B zeigt jedoch auch immer deutlichere Spuren – Auto-
lawinen, ob auf den Autobahnen oder in den Innenstädten.
Immer mehr Autos erfordern den Neubau von Straßen. Doch das ist ein Teufelskreis, denn eine größere Anzahl von Straßen führt nicht zu einer besseren Verteilung der Verkehsströme, sondern verursacht indirekt neuen Verkehr.
Die Ausdehnung der Städte in das Umland, und die dadurch hervorgerufenen veränderten Siedlungsstrukturen haben auch ihren Beitrag zum Verkehrswachstum geleistet. Die Wohnbevölkerung wanderte aus den Innenstädten an den Stadtrand ab, und parallel dazu fand eine Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz statt. Um nun wieder in die Innenstadt zu gelangen, benutzen viele ihr Auto und nicht die öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem wenn die Haltestelle nicht direkt vor der Haustür liegt.
Die Mobilität und somit auch der Verkehr werden in Deutschland weiter wachsen, soviel steht fest. Immer mehr Menschen möchten immer entferntere Ziele, und vor allem immer schneller und günstiger erreichen. Dabei ist das Auto immer noch die erste Wahl. Die verstärkte Ausrichtung unseres Verkehrssystems auf das Auto wird auch anhand folgender Zahlen deutlich: In Deutschland werden pro Jahr 925 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Diese verteilen sich auf öffentliche Verkehrsmittel mit 160 Milliarden und auf über 750 Milliarden mit privaten Pkws.
Anfang der 80er Jahre, nach dem zweiten Ölpreisschock, deutete der einsetzende Wertewandel in Richtung Umweltbewusstsein zunächst auch auf eine Trendwende in bezug auf das Mobilitäts-
verhalten hin. Diese Annahme erwies sich als falsch, denn obwohl sich immer mehr Menschen als umweltbewusst bezeichnen, fahren inkonsequenterweise auch immer mehr Bürger, zumindest in den westlichen Industrieländern, mit dem Auto. Diese Dynamik und das permanente Wachstum des Straßenverkehrs hat Fachleute wie Normalbürger gleichermaßen überrollt.
Der größte Verkehrsverursacher ist heute der Freizeitverkehr, der durch höhere Einkommen, mehr Freizeit und Autos angekurbelt wird. Das bevorzugte Verkehrsmittel für die Spritztour ins Grüne oder die Fahrt ins Blaue ist eindeutig das Auto, und nicht die umweltfreundlicheren öffentlichen Verkehrsmittel. Diese vermitteln auch eher selten das in der Freizeit angestrebte Gefühl von Freiheit. Offensichtlich hängen wir also nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem auch emotional vom Auto ab.
Stand: 26.06.2001
26. Juni 2001