Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostiziert in seinem jüngsten Weltklimabericht eine Erwärmung von im günstigsten Fall 1,8°C, im ungünstigsten sogar bis zu 6,4°C bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Umgerechnet bedeutet das: In jedem Jahrzehnt wird es um mindestens 0,2°C, wahrscheinlich sogar eher 0,4°C wärmer.
Ökosysteme überfordert
Das klingt zunächst eher harmlos, spielen sich doch die Veränderungen nur hinter dem Komma ab. Aber die Natur sieht dies ganz anders: Denn nach Meinung von Experten ist mit einer solchen Erwärmungsrate die natürliche Anpassungsfähigkeit der meisten Ökosysteme bereits weit überschritten. Rund 0,1°C pro Jahrzehnt, so schätzen Forscher, können die Lebensräume gerade noch verkraften – wird es mehr, sind Artensterben und schwere ökologische Störungen die Folge.
Verschärft wird die Situation dadurch, dass sich viele Ökosysteme ohnehin bereits am Rande des Abgrunds bewegen. Die ständig wachsende Menschheit hat dafür gesorgt, dass immer mehr Naturlandschaft neuem Ackerland, Städten oder Straßen weichen muss. Rund ein Viertel der jährlichen Biomasseproduktion weltweit wird vom Menschen geerntet, verbrannt oder durch Landnutzung verändert. Dadurch schrumpfen die Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten oder werden so verändert, dass sich ihre Bewohner nicht mehr anpassen können. Längst wird das gegenwärtige Artensterben mit den großen Massenaussterben der Erdgeschichte verglichen. Rund ein Drittel aller Tier und Pflanzenarten gelten heute bereits als bedroht.
Großräumige Verschiebungen
Doch es kommt noch schlimmer: „Der Klimawandel wird diese Situation verschärfen, indem er die Verbreitungsgebiete vieler Pflanzen und Tiere weiter einschränkt und natürliche Prozesse in den Lebensräumen stört“, erklärt Wolfgang Cramer, Leiter des Forschungsbereichs „Erdsystemanalyse“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).