Morgens Schwarztee mit reichlich Zucker. Mittags lieber ein Steak als die Vegetarierplatte. Und ab und zu ein Feierabend-Bier. Oder Cola. Bringt mich dieses Ernährungsverhalten schon an den Rand der Zuckerkrankheit, an der in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen leiden? Oder gehöre ich bereits zu den schätzungsweise vier Millionen Deutschen, die nichts von ihrem Diabetes wissen?
Obwohl ich nicht rauche, eher schlank und gefühlt ohnehin viel jünger bin als mein Pass behauptet, klicke ich mich mit zunehmendem Unbehagen durch die Fragen eines Online-Tests, den der Epidemiologe Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (DIfE) gemeinsam mit Kollegen entwickelt hat. Damit kann jeder in nicht einmal fünf Minuten sein persönliches Risiko errechnen, im Laufe der nächsten fünf Jahre an Diabetes zu erkranken. Was mit harmlosen Fragen nach der Körpergröße beginnt, wird spätestens bei Gewicht und Taillenumfang unangenehm. Und auch mal peinlich, wenn bei der Skala für Gartenarbeit oder sportliche Aktivitäten das Kreuz ehrlicherweise im untersten Zehntel gesetzt werden muss.
Zehn Millionen Diabeteskranke bis 2015
Doch angesichts von Schätzungen, dass schon 2015 über zehn Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes erkrankt sein werden, treten persönliche Befindlichkeiten in den Hintergrund. Zuverlässige Vorhersagen gewinnen dagegen an Bedeutung. Für den Einzelnen, der eine Diabeteserkrankung oft erst erkennt, wenn offene Wunden, Nervenzellschwund oder Organschäden auftreten. Und für die Gesellschaft, die schon heute Präventions- und Behandlungskosten von über 30 Milliarden Euro jährlich tragen muss.
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