Man nehme: Bernstein mit Mücke mit Saurierblut, isoliere die Reste der Dino-DNA, stopfe die verbleibenden Lücken durch Frosch-Gene und injiziere alles in Krokodil-Eier. Nun heißt es, Eier regelmäßig wenden und vorsorglich einen stabilen Zaun bauen – wer will schon von wild gewordenen Raptoren überrannt werden. Jurassic Park sei dank, wir sind ja gewarnt.
Die Menschheit hat dazu gelernt seit den Abenteuern auf Isla Nublar. Also, wie sieht es heute aus? Sind uns die Dinos aus dem Bernstein näher gerückt? Die vorhersehbare Antwort gleich vorweg – natürlich nicht. Dennoch, die Einschlüsse im Bernstein haben inzwischen durchaus ein Eigenleben entwickelt.
Nicht alle tierischen Inklusen sind in ihrem Innern vollständig zersetzt. Oft haften an der Innenseite der Insektenhülle noch Reste von Weichteilen wie Muskeln, Lunge, Augen oder Darm. Millionen Jahre alte DNA aus dem Bernstein zu gewinnen, könnte damit tatsächlich möglich sein, hofft man – doch bisher vergeblich.
Anfang der 90er Jahre versetzten einige Funde die Wissenschaftswelt in Aufregung. Zunächst hatte ein amerikanisches Forscherteam eine 25 Millionen Jahre alte Termite aus dominikanischem Bernstein geöffnet und war dabei auf Reste von DNA gestoßen. Nur ein Jahr später entdeckte ein weiteres Team in Bernstein eingeschlossene DNA eines Rüsselkäfers aus dem Libanon, Alter: 130 Millionen Jahre. DNA aus der Kreidezeit, so alt wie die Dinosaurier! Eine wissenschaftliche Sensation. Die Forschungsergebnisse wurden fast zeitgleich mit der Filmpremiere von „Jurassic Park“ veröffentlicht, die Forscher erlebten Sternstunden ihrer Karriere.