Bei der Erforschung magnetischer Nanostrukturen arbeiten Experimentatoren und theoretische Physiker eng zusammen. Zu Letzteren gehören Ingrid Mertig und Arthur Ernst vom Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle an der Saale. Die beiden Wissenschaftler erforschen, wie sich Daten in Zukunft auf immer kleinerem Raum schreiben und lesen lassen.

In der herkömmlichen Technik gibt ein Schreibkopf Magnetfeldpulse ab und magnetisiert so die darunterliegenden Speicherzellen. „Diese Technik ist aber weitgehend ausgereizt“, sagt Mertig. Denn Magnetfelder lassen sich nicht auf eine beliebig kleine Fläche konzentrieren. Werden die magnetischen Bits zu klein, beeinflusst das Magnetfeld beim Beschreiben einer Zelle deren Nachbarzellen − so als versuchte man, mit einem dicken Filzschreiber ein Karo auf einem Millimeterpapier auszumalen; dabei dürften unweigerlich auch Nachbarkaros Farbe abbekommen.
Filzstift schreibt mit leerer Mine
Die Hallenser Forscher verwenden daher als besonders feinen Schreibstift elektrische Felder. „Diese lassen sich viel schärfer fokussieren als Magnetfelder“, erläutert Mertig. Der Haken: Ein elektrisches Feld kann nicht in ein Metall eindringen, weil es an der Oberfläche des Metalls eine Ladung induziert, die das Feld abschirmt. Der feine Filzstift schreibt also gewissermaßen mit leerer Mine. Anders sieht die Sache in einer äußerst dünnen Metallschicht aus, einer Schicht nämlich, die aus lediglich zwei Atomlagen besteht und somit 100.000-mal dünner ist als ein menschliches Haar. In einer solchen Schicht kann ein elektrisches Feld unter Umständen die Magnetisierung der Schicht beeinflussen. Der entsprechende Effekt, den Ingrid Mertig und Arthur Ernst seit einigen Jahren erforschen, heißt im Fachjargon magnetoelektrische Kopplung.
Magnetoelektrische Kopplung
Der Effekt funktioniert, grob gesprochen, wie folgt: Ein starkes elektrisches Feld verschiebt die freien Elektronen in der Schicht − je nach Polung des Feldes drückt es sie tiefer in die Schicht hinein oder zieht sie ein Stück weit aus ihr heraus. Dies führt dazu, dass sich die Abstoßung zwischen den positiv geladenen Atomrümpfen abschwächt oder verstärkt. Je nach Polung des elektrischen Feldes rücken die beiden Atomlagen der Schichten deshalb um einige milliardstel Millimeter dichter zusammen oder entfernen sich voneinander.