Die schillernden Farben der Schmetterlingsflügel faszinieren nicht nur Insektenkundler, Sammler und Künstler aller Art, auch die Technik wirft inzwischen begehrliche und neugierige Blicke in die Trickkiste der Natur.
Längst nutzt man das Reflexionsprinzip vieler Schillerfarben für Lacke, denen Nanopartikel beigemischt werden, um entsprechende Streuungseffekte zu erzielen. Australiens Zehn-Dollar-Scheine tragen als Fälschungsschutz ein changierendes Feld, das auf die Struktur der Schmetterlingsschuppen zurückgeht. Und zukünftig könnte vielleicht auch der Polarisationeffekt der Papilioschuppen in ähnlicher Weise eingesetzt werden. Ein kurzer Check unter einer Polarisationslampe würde dann ausreichen, um Blüten eindeutig zu entlarven.
Eine entscheidende Rolle in der Informationstechnologie könnten in Zukunft vielleicht optische Gitter spielen, wie sie die blauen Morpho-Falter nutzen. So genannte „photonische Kristalle“ aus regelmäßig angeordneten Grundelementen sollen dabei durch ihre Interferenzeffekte Licht gezielt entweder weiterleiten oder aber schlucken. Damit folgen sie dem digitalen „Null oder Eins“-Schema der Datencodierung – brauchen dabei im Gegensatz zu herkömmlichen Datenleitern aber erheblich weniger Platz.
Entsprechend intensiv arbeiten Wissenschaftler weltweit zur Zeit daran, photonische Kristalle nach dem „Morphoprinzip“ zu bauen. Darunter auch Forscher der Universität Jena mit ihrem Projekt „Photonic Crystal Optical Circuits“. Ihr Ziel ist es, durch Veränderungen an der Gitterstruktur der photonischen Kristalle deren optische Eigenschaften je nach gewünschtem Verwendungszweck maßzuschneidern. So könnten sie zukünftig Licht nicht nur reflektieren, einfangen und speichern, sondern sogar um die Ecke leiten.