Bildung schon für Vierjährige? Einverstanden. Lernen mit Kopf, Herz und Hand statt Universitäten für Säuglinge und Einmaleins- und Vokabelnpauken im Kindergarten? Okay. Bessere individuelle Förderung der Kinder und besonders für Lernschwache? Aber sicher. Bildungsforscher und Neurowissenschaftler vertreten in vielen Punkten, die die frühkindliche Bildung und die Grundschule betreffen, nahezu identische Meinungen. Dennoch ist zwischen diesen Berufsgruppen ein heftiger Streit darum entbrannt, wie das Lernen dort konkret aussehen kann.
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Bildungsforscher wie Professorin Elsbeth Stern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin wehren sich vehement gegen plakative Patenrezepte und Verallgemeinerungen von Gehirnforschern wie „Lernen muss immer Spaß machen“ oder „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Sie fordern stattdessen moderneren Unterricht, den Erwerb von verwertbarem Wissen, einen Verzicht auf schnelle Abstraktionen und allgemein ein besseres Handwerkszeug für Erzieher und Lehrer.
„Lehrer sollen gern lernen, wie verschiedene Teile des Gehirns am Unterricht beteiligt sind. Aber Lehrer benötigen vor allem Wissen, das ihnen hilft, endlich besseren Unterricht zu machen“, sagt Stern beispielsweise in einem Interview mit der Zeit am 01.07.2004.