Der Aralsee wächst also wieder. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist. Das gilt nur für den Kleinen Aral, den nördlichen, auf kasachischem Territorium liegenden Teil des Aralsees, der mittlerweile in drei Einzelseen zerfallen ist. Durch die sinkende Wasseroberfläche und Landzungen, die aus früheren Inseln entstanden sind, wurde er quasi vom Großen Aral im Süden abgeschnürt. Die Fläche des südlichen Sees, der zum Grossteil in Usbekistan liegt, ist etwa vier mal so groß wie die des Kleinen Arals. Doch auch der Große Aral löst sich auf. Die frühere Insel Wozroshdenje hat den See in einen tiefen westlichen Teil und einen weitaus flacheren östlichen Teil gespalten.
Der Syrdarja, der östliche der beiden einzigen Zuflüsse, die den Aral speisen, mündet in den Kleinen Aralsee, nachdem er Kirgistan und Usbekistan durchquert hat. Der Amudarja im Westen dagegen entspringt in Tadschikistan und Afghanistan und quert auf seinem Weg nach Kasachstan auch Usbekistan und Turkmenistan, um schließlich in den See zu münden.
Letzte Hoffnung – ein Staudamm
Angesichts der bevorstehenden Katastrophe – Experten hatten das vollständige Verschwinden des Arals bis zum Jahr 2020 vorhergesagt – hatten die Bewohner am Nordufer des Arals bereits im Jahr 1999 zu Spaten und Bulldozern gegriffen, um den Syrdarja aufzustauen und so wenigstens den Kleinen Aral zu retten. Doch ein Sandsturm brachte den Staudamm zum Einsturz.
Im Jahr 2001 dann unterzeichneten Kasachstan und die Weltbank einen Kreditvertrag über 65 Millionen Dollar – für einen haltbaren Staudamm aus Beton an der gleichen Stelle zwischen dem Kleinen Aral im Norden und dem Großen Aral im Süden. 2005 wurde das letzte Stück des 13 Kilometer langen Kokaral-Staudamms geschlossen. Seitdem füllt das Wasser des Syrdaria den Kleinen Aralsee schneller als gedacht, dank eines Winters mit unerwartet viel Schmelzwasser. Um knapp drei Meter ist der Wasserspiegel bereits gestiegen. Die Uferlinie hat sich an manchen Stellen um 15 Kilometer verlagert.