Es ist eigentlich kaum verwunderlich, dass sich Algenpräparate zunehmender Beliebtheit auf dem Wellness- und Gesundheitsmarkt erfreuen. Die ungezählten Inhaltsstoffe von Fettsäuren über Vitamine bis hin zu Mineralstoffen drängen sich einer Verwertung als Allheilmittel quasi auf.
Für kosmetische Anwendungen kommen etwa 50 Algenarten zum Einsatz und man verspricht sich viel von ihnen. Der hohe Jodgehalt wirkt gegen Cellulitis und regt den Stoffwechsel an, Mineralsalze fördern die Entschlackung, Zink und Vitamine halten den Alterungsprozess der Haut auf. Neuerdings wird auch ein Sonnenschutzmittel aus Algen entwickelt. Amerikanische Wissenschaftler haben Stoffe, die Mikroalgen als Schutz vor UV-Strahlung produzieren, analysiert und wollen sie nun für die Hautpflege einsetzen.
Auch für die „inwendige“ Anwendung der Algen als Gesundmacher landen immer mehr Tabletten, Kapseln und Pulver aus Mikroalgen auf dem Markt. Jährlich werden heute in den USA, Kanada, Japan und Europa etwa allein 3.000 Tonnen der Mikroalge Spirulina (Blaualge) als gesundheitsfördernde Nahrungsergänzung verkauft. Sie gelten zwar als Nahrungsergänzungsmittel, wie Multivitamintabletten und ähnliche Präparate, doch versprochen wird oft weitaus mehr. Vitamine, Mineralstoffe, Proteine und Kohlenhydrate sollen das Immunsystem stärken, Stoffwechsel- und Kreislauf stabilisieren, freie Radikale binden und damit Zellschädigungen verhindern. Hinweise auf die vermutliche Wirksamkeit gegen Tumore, Bakterien oder Viren, die sich in Tierversuchen zeigten, locken den Konsumenten zusätzlich. Zum Teil geht die Erklärung des Wirkungsgefüges auch weit ins Esoterische hinein und bewegt sich fern aller wissenschaftlich fundierter Untersuchungen.
Algenpräparate müssen auf alle Fälle auf ihren Jod- und Schermetallgehalt hin geprüft sein, da sie sonst die Gesundheit sogar schädigen. Der Jodgehalt sollte nach Ansicht des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) 20 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse nicht übersteigen. Außerdem hält das BgVV die beworbenen Wirkungen von Algen, wie „Reinigung des Körpers“, „Immunstärkung“ oder „Verlangsamung des Alterungsprozesses“ für nicht belegbar.
Die Pharmaindustrie stellt sicher einen langfristigen Anwendungsbereich dar. Die Grundlagenforschung deutet darauf hin, dass antivirale, antibiotische und entzündungshemmende Substanzen aus Algen gewonnen werden könnten. Die Algen haben im Laufe der Evolution Mechanismen entwickelt, um sich gegen Krankheitserreger zu schützen, und diese könnten möglicherweise auch beim Menschen wirken. Doch auf diesem Gebiet muss noch viel geforscht werden, bis es eines Tages Medikamente auf Algenbasis auf dem Markt gibt.
Bis dahin sollten Algenpräparate als das gesehen und genommen werden, was sie sind: Nahrungsergänzungsmittel, die nicht ohne weiteres an Stelle von Medikamenten einzusetzen sind.
Stand: 06.11.2002