Schwertwale haben es gut – eigentlich. Als Jäger haben sie kaum einen natürlichen Feind zu fürchten und die „Speisekarte“ der Ozeane ist für sie immer noch gut gefüllt. Doch die Beute ist immer öfter „giftig“. Im Dezember 2005 stellte das Norwegische Polar Institut in der Arktis neue Höchstwerte von chemischer Belastung bei Schwertwalen fest. Dabei maßen die Wissenschaftler neben den Spitzenreitern DDE, einem Abbauprodukt des Giftgases DDT, und PCB, einer Flammschutz-Chemikalie, vor allem Schwermetalle in der Fettschicht des Wales.
Die Verschmutzung der Meere mit Quecksilber, Blei und jeder Form von Kohlenwasserstoffen, wie etwa Rohöl steigt immer weiter. Von den meisten Giftstoffen reicht nicht nur ein Tropfen aus, mehrere tausend Liter Wasser zu verseuchen sondern auch die gesamte Nahrungskette zu vergiften. Das Quecksilber wird von der Makrele aufgenommen, die Makrele vom Tintenfisch und der Tintenfisch mitsamt dem Schwermetall von einem Wal. Der gibt es nicht nur durch die Muttermilch an die Jungtiere weiter, sondern auch an seinen einzigen Feind, den Menschen: Seit 1998 warnt deshalb die Regierung der Färöer-Inseln vor dem Verzehr von Walfleisch und in Grönland wird der Quecksilbergehalt von 16 Prozent im Blut der Menschen bereits als toxisch bezeichnet.
Die chemische Belastung der Ozeane gehört zu den möglichen Ursachen für Walstrandungen. Denn die Wale werden meistens bereits tot angespült und die Meeresbiologen können bei den Tieren durch medizinische Untersuchung eindeutig feststellen, ob eine Vergiftung als Todesursache in Frage kommt. Handelt es sich um eine akute Vergiftung lässt sich der Schadstoffgehalt des Wassers noch Tage danach im Fettgewebe der Meeressäuger nachweisen. Eine langfristige Belastung von geringer Konzentration dagegen resultiert oft erst Jahre später in Krankheiten oder deformierten Organen.
Auch die Natur kommt als Täter in Frage
Neben den industriellen Schadstoffen treten aber auch in der Natur tödliche Gifte auf, die direkt zum Tod der Wale führen können. 14 Buckelwale strandeten 1987 in Cape Cod, nördlich von New York, weil sie die „falschen“ Makrelen gefressen hatten. In der Leber der Fische war eine hohe Konzentration des Nervengifts Saxotin, dass von einer besonderen Art Mikroplankton produziert wird. Ein anderes Beispiel: Zwei Jahre später starben in Florida bei einer Massenstrandung über 740 Große Tümmler. Meeresbiologen wiesen mit medizinischen Untersuchungen bei den Delphinen eine Vergiftung durch Brevetoxin nach, ebenfalls ein Nervengift, das von einem Mikroplankton produziert wird. Jedoch wurde bei den Delphinen gleichzeitig eine hohe Konzentration PCB gefunden, dass ebenfalls für ihren Tod mitverantwortlich sein könnte, aber keineswegs „natürlich“ produziert wird.