Die ehemaligen Maarseen in Stöffel und in Messel haben denselben geologischen Ursprung: Sie sind vulkanisch entstanden. Doch im Gegensatz zu herkömmlichen Vulkanen hat das Land während des Stöffeler und Messeler Ausbruchs nie einen Tropfen flüssige Lava gesehen, keine Lavaströme und keine flammenden Fontänen.
Wasserdampfexplosion statt Lavastrom
Wie in anderen vulkanisch aktiven Regionen ist flüssige Gestein zunächst entlang von Störungen in der Erdkruste nach oben gestiegen. Doch bevor es an die Oberfläche trat, gelangte es in Gesteinsschichten, die stark durch Brüche und Spalten zerklüftet und mit Wasser gesättigt waren. Die 1.200°C heiße Schmelze erhitzte das Wasser in Sekundenschnelle und baute enorme Dampfdrücke auf, die sich schließlich explosionsartig ihren Weg nach oben suchten.
Die über dem Kontaktherd liegenden Schichtmassen wurden dabei pulverisiert in die Atmosphäre geschleudert und hunderte Kilometer weit über das Land verteilt. Zurück blieb ein ringförmiger Wall, aus Asche und zurückgeworfenem Oberflächenmaterial und ein fast 300 Meter tiefer Krater, der sich allmählich mit Wasser füllte.
Einen solchen Ausbruch nennt man eine phreatomagmatische Eruption („phréar“ (griechisch) – Brunnen). Der größte Vulkanausbruch der Menschheitsgeschichte, der des Krakatau zwischen Java und Sumatra, war ebenfalls eine phreatomagmatische Eruption. Sie sprengte mit einer Energie von 100 Millionen Tonnen TNT oder 5.000 Hiroshima-Atombomben den Krakataugipfel ab und schleuderte nahezu 20 Kubikkilometer Asche und Staub in die Luft. Auch der Ausbruch des amerikanischen St. Helens in den 1980er Jahren erfolgte nach diesem Muster.