Nicht den Riesen gilt das Hauptaugenmerk von GRACE, sondern den Zwergen. Der Schwerpunkt der Mission liegt auf der Messung kleinster Klimafaktoren, die umweltrelevante Phänomene wie El Niño, Polarschmelze und Hurrikane erklären können und Klimavorhersagen vereinfachen würden.
Zu 99 Prozent können die Beulen und Dellen des Geoids durch statische Einflüsse wie Massenansammlung von Gebirgen oder regionale Materialunterschiede erklärt werden. Selbst die tektonischen Prozesse an den Subduktions- und Dehnungszonen rufen eher konstante Schwereabweichungen hervor. Der verbleibende eine Prozentpunkt wird jetzt von den Wissenschaftlern immer genauer unter die Lupe genommen. Denn dahinter verbergen sich die Abweichungen des Schwerefeldes, die kurzfristigeren zeitlichen Schwankungen unterworfen sind.
Auf den Millimeter genau untersuchen Wissenschaftler des GFZ und der Universität von Texas die periodisch wiederkehrenden Veränderungen des weltweiten Wasserhaushalts. Denn die in seinem Rahmen stattfindende gewaltige Massenverlagerung ist für einen Großteil der zeitlichen Variationen im Schwerefeld verantwortlich. Im Wasserkreislauf stehen die Oberflächengewässer der Kontinente und deren Grundwasserspiegel, die Eismassen der Pole, die Ozeane und der Wasserdampf in der Atmosphäre miteinander in fortwährendem Austausch. Die Anteile der in den verschiedenen Stationen dieses riesigen Kreislaufs gespeicherten Wassermassen verändern sich dabei ständig – entsprechend schwankt damit auch das Schwerefeld.

Erstmals ist den Forschern des GFZ im Jahr 2004 gelungen, die jahreszeitliche Veränderung der Oberflächengewässer auf den Kontinenten durch Schwerefeldmessungen mit Satelliten aufzuzeichnen. Die größten Schwankungen registrierten sie dabei in den Flussgebieten von Ob und Jenissei in Sibirien, vom Kongo in Afrika und vom Amazonas in Südamerika. Das amerikanische National Research Council hat die Monatswerte des Schwerefeldes im Amazonas-Beckens verglichen und im April 2003 eine Ausbeulung des Geoids um 14 Millimeter beobachtet. Das Minimum lag im Oktober 2003 bei -7,7 Millimeter. Der Schwerewert weist damit vermutlich darauf hin, dass die Erdkruste sich unter den enormen Regenfällen im Sommer und Herbst senkt. Mit dem Abfließen der Wassermassen hebt sich die Kruste wieder bis zum Frühling.