Das „Kuschelhormon“ Oxytocin spielt nicht nur bei Langzeitbeziehungen oder der mütterlichen Zuneigung des Menschen eine Rolle, es mischt auch beim Sex kräftig mit, wie Wissenschaftler eher durch Zufall entdeckten. Eigentlich wollten sie herausfinden, ob Oxytocin das Gedächtnis verbessern kann und verabreichten das Hormon daher ihren männlichen Probanden als Nasenspray. Diese konnten anschließend zwar keinerlei signifikante Gedächtnissteigerung feststellen, wohl aber einen unerwarteten Nebeneffekt: Sie bekamen eine Erektion.
Weitere Untersuchungen zeigten, dass sowohl der Hypothalamus im Gehirn als auch die Geschlechtsorgane bei Erregung innerhalb von von Sekunden große Mengen Oxytocin ausschütten. Bei einem Orgasmus steigen die Hormonspiegel im Blut sogar um das bis zu Dreifache an. Im Gegensatz zu den Geschlechtshormonen scheint das Oxytocin dabei aber nicht für die Potenz, das Begehren als solches verantwortlich zu sein, sondern für das sich dabei im Kopf abspielende Gefühl –Lust und Liebe. Denn wurde das Hormon bei männlichen Probanden durch einen blockierenden Wirkstoff gehemmt, bekamen sie zwar eine Erektion, empfanden aber nichts dabei.
Helen Fisher, Professorin für biologische Anthropologie an der Rutgers Universität in New York, sieht darin eine Bestätigung ihrer Theorie, nach der es ohnehin nicht „die“ Liebe schlechthin gibt, sondern gleich drei Spielarten davon: Lust, akute Verliebtheit und die langfristige Bindung zwischen zwei Partnern. Und bei allen drei miteinander interagierenden Systemen spielen jeweils andere Hormone eine wichtige Rolle.
Verliebtheit macht süchtig…
Verliebtheit setzt, ähnlich wie auch die Suchtmittel Kokain und Nikotin, das Hormon Dopamin frei – und macht auch ähnlich süchtig, wie Andreas Bartels und Semir Zeki vom University College London feststellten. Sie untersuchten die Gehirnaktivität von verliebten Probanden mithilfe von bildgebenden Verfahren und erlebten eine Überraschung: Das beobachtete „Verliebtheitsmuster“ unterschied sich deutlich von dem anderer starker Emotionen und ähnelte eher demjenigen von Menschen, die Kokain oder ähnliche Drogen eingenommen hatten. Offensichtlich funktioniert Verliebtsein über die gleichen neuralen Mechanismen wie Sucht oder, wie es Larry Young von der Emory Universität in Atlanta ausdrückt: „Wir sind buchstäblich süchtig nach Liebe.“