Romain Charles ist ein Gefangener: Zusammen mit fünf anderen Männern lebt er für eineinhalb Jahre abgeschlossen von der Umwelt in einer beengten Röhre. Das Essen ist streng rationiert, es gibt ein straffes Arbeitsprogramm und seine Mitgefangenen hat er sich auch nicht selber ausgesucht. Und dennoch ist Charles am Ziel seiner Träume: Genau dies hat er sich gewünscht, darauf hat er monatelang hingearbeitet. Denn der Franzose ist auf dem Weg zum Mars – und bleibt doch fest auf der Erde.

Generalprobe für Langzeitflug zum Mars
Charles ist einer der beiden von der europäischen Weltraumagentur ESA ausgewählten Teilnehmer am Mars-500-Projekt. Das Gemeinschaftsvorhaben der ESA und der russischen Weltraumagentur Rokosmos testet unter realitätsnahen Bedingungen die extremen physischen und psychischen Belastungen, die eine Mission zum Mars für die Besatzung eines Raumschiffs bedeuten würde. Erste Erkenntnisse über das Leben in der Schwerelosigkeit und in enger Gemeinschaft an Bord eines Raumfahrzeugs lieferten zwar bereits die Apollo-Flüge zum Mond und die Internationale Raumstation ISS. Aber ein Flug zum Mars stellt in gleich mehrfacher Hinsicht ein besonderes Extrem dar.
„Etwa 250 Tage für den Hinflug, 30 Tage Aufenthalt auf der Oberfläche des Mars und 240 Tage für den Rückflug. Experten gehen davon aus, dass eine Langzeitmission zum Mars insgesamt wahrscheinlich 520 Tage dauern wird“, erklärt Wolf Mann, Mediziner an der Universitätsklinik der Universität Mainz und einer der Wissenschaftler, die das Projekt begleiten. „Dabei gilt es, über rund eineinhalb Jahre lang mit sechs Personen auf engstem Raum auszukommen.“ Welche Folgen diese Extremsituation auf Körper und Geist der Besatzung hat, soll das Mars-500 Projekt jetzt zeigen – und auch, wie sich die Bedingungen optimieren lassen.
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