Auch Birger Lühr, Ingenieur und Geophysiker am GeoForschungsZentrum Potsdam, hält das Wachsmodell für sehr hilfreich, um neue Erklärungen für die Vorgänge in der Erdkruste zu finden. „Ein solches Modell ist keineswegs trivial“, sagt Lühr, „denn oftmals helfen uns gerade derartige vereinfachende Experimente von Physiker-Kollegen weiter, die nicht geophysikalisch vorbelastet sind.“

Noch sind viele Fragen offen. Niemand weiß genau, wie beispielsweise Transformstörungen letztlich entstehen. Erst seit 35 Jahren ist die Kontinentaldrift- Theorie allgemein akzeptiert. Zwar hatte der Physiker und Meteorologe Alfred Wegener bereits 1912 die Kontinentalverschiebung postuliert. Welche Kräfte die Kontinente antreiben, konnte er aber nicht erklären. Erst in den 1960er- Jahren erkannten Forscher, dass die Kontinente tatsächlich auseinander gleiten.
Man stellte fest, dass das Gestein auf beiden Seiten eines Mittelozeanischen Rückens gleich alt ist, wenn es denselben Abstand zur Spreizungszone hat. Auch die magnetische Ausrichtung metallischer Einschlüsse im Gestein ist bei gleichem Abstand auf beiden Seiten identisch. Die Materialien orientieren sich nämlich beim Erstarren des Magmas nach der aktuellen Lage des Erdmagnetfelds, dessen Polung und Stärke im Laufe der Zeit variiert.
Aus Strukturen am Meeresboden werden Bewegungsmuster
Der Meeresboden zu beiden Seiten des Grabens ist folglich spiegelsymmetrisch. Da das Gestein mit zunehmendem Abstand von der Spreizungszone älter wird, war klar, dass sich die Platten voneinander fort bewegen. Diese Erkenntnis ist beachtlich. Immerhin blicken die Forscher auf eine Welt, deren Bewegungen praktisch eingefroren sind. Wie bei einem verwirrenden Puzzlespiel müssen Strukturen am Tiefseeboden zu einem Bewegungsmuster zusammengesetzt werden.