Die Entwicklungsländer stehen bei den reichen Staaten und den internationalen Entwicklungsagenturen, wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds, inzwischen mit 2,5 Billionen Dollar in der Kreide. Eine Summe, von der nicht nur die Anhänger der Kampagne „Erlaßjahr 2000“ sagen, daß sie nie wieder zurückgezahlt werden kann, und daher abgeschrieben werden sollte.
Doch die eigentliche Last ist nicht der hohe Schuldenberg, sondern die enormen Zins- und Tilgungsleistungen. Die betragen pro Jahr etwa 250 Milliarden Dollar – das entspricht den jährlichen Ausgaben der Bundesregierung, dem Etat also einer der größten Wirtschaftsmächte der Welt. Mosambik müßte zwölf Jahre lang ununterbrochen sämtliche Exporteinnahmen an die Gläubiger überweisen, um die Schulden loszuwerden.
Um Zinsen und Tilgungsleistungen zu zahlen, sind die Schuldnerländer gezwungen, ihre Exporte zu steigern. Besitzt das Land keine mineralischen Rohstoffe, so werden Holz oder landwirtschaftliche Produkte ausgeführt. Die Folgen sind Abholzungen in großem Umfang und eine Ausbeutung der Böden durch zu intensive Landwirtschaft. Um diese Entwicklung aufzuhalten, wäre ein Schuldenerlaß sinnvoll, da er den finanziellen Druck nehmen und ressourcenschonende Landwirtschaft wieder möglich machen würde.
Die Schuldenkrise begann in den 70er Jahren: westliche Banken und Staaten verhießen mit einer kreditfinanzierten Entwicklungszusammenarbeit den Weg aus der Armut. Als die Zinsen anstiegen und mit den Rohstoffpreisen auch die Exporterlöse in den Keller fielen, tappten die Länder in die Schuldenfalle: Neue Kredite waren nötig, um die alten zu bezahlen – die Entwicklung stockte und kam schließlich zum Erliegen.